Kahlschlag im „grünen“ Friedrichshagen – Ein Ortsteil macht mobil

In Berlin -Friedrichshagen erzürnt die Kahlschlagpolitik des Bezirksamtes die Anwohner, wie selten ein Ereignis zuvor. Vereine, Initiativen, Kindergärten, Laden- und Restaurantbesitzer und viele Anwohner gehen auf die Barrikaden. Rechtsanwälte geben juristischen Beistand. Überall im Ortsteil liegen Unterschriftenlisten aus, mit denen die Bürger und Besucher gegen die Baumfällaktionen des LINKEN Bezirksstadtrat, Michael Schneider, protestieren. Bereits am Montag, dem 28.4. wollen Friedrichshagener Bürger 1.000 Unterschriften der Bezirksbürgermeisterin übergeben.
Es geht um den Charakter Friedrichshagens, der durch die Baumvernichtungen massiv verändert wird.
Die Rahnsdorfer Straße in Friedrichshagen ist bereits nahezu baumfrei, die Lindenallee verdient kaum mehr diesen Namen, jetzt ist die Scharnweberstraße, Friedrichshagens längste Wohnstraße, dran. Die Scharnweberstraße ist im nördlichen ca. 300 Meter langen Abschnitt schon kahlgeschlagen.
Der Streit entzündet sich derzeit an einer 80 jährigen Kastanie in der Scharnweberstraße. Der Baum ist vital und erhaltenswert. Die Anwohnerinitiative hatte ein Gutachten bei einem der renommiertesten Baumgutachter Berlins, Dr. Michael Barsig, in Auftrag gegeben. Resultat: Der Baum ist vital. Eine Fällung wäre „grobe Sachbeschädigung“. Trotzdem soll die Kastanie am 30.4. gefällt werden.
Bezirksstadtrat Schneider verschließt sich jeder Diskussion. Fraktionskollegen gegenüber erklärt Schneider am 24.4.2008: Er spreche mit niemanden. Der Baum wird gefällt. Basta!
Auf besonderes Unverständnis stößt die Praxis des Bezirksamtes, Bürger zu Geldspenden für Neuanpflanzungen zu nötigen. Ein Mitglied der Friedrichshagener Werbegemeinschaft: „Das ist Erpressung: Erst haut uns das Bezirksamt die Bäume weg und dann verlangen sie von uns Steuernzahlern Spenden für Neuanpflanzungen – immerhin 400 Euro pro Baum. Wenn wir nicht zahlen, bleibt es Grau. Das ist moderne Wegelagerei!“

Zum Internationalen Tag des Baumes fordern wir Friedrichshagener Bürger: Stopp der Fällungen und Neupflanzungen an allen ehemaligen Baumstandorten.

Anwohnerinitiative Scharnweberstraße
Werbegemeinschaft Friedrichshagen
Bürgerinitiative Müggelsee

 


Matthias Vorbau

Ein Beitrag von Matthias Vorbau

Matthias Vorbau nennt sich Chefredakteur des Maulbeerblattes. Eigentlich ist er Kommunikationsdesigner mit Diplom. Zitat: "Das Leben zwingt einen zu zahlreichen freiwilligen Entscheidungen."