„So ein Kind ist ganz Wille“ habe ich mal in einer Elternzeitschrift gelesen. Es klang verschwurbelt und sollte wohl heißen: Das Kind will zwar eine ganze Menge, mit der Umsetzung hapert es aber mächtig. Also das kann ich jetzt so nicht unterschreiben. Das was meine Tochter (haben, anfassen, in den Mund nehmen, runterwerfen, irgendwo hineinstecken, wo es garantiert nicht hingehört etc.) will, das schafft sie auch tadellos. Darin unterscheidet sie sich eindeutig von gewissen Vertretern der Politik, die zwar viel wollen (wahlweise Steuern senken, mehr Netto vom Brutto, Reichtum/Arbeit/bedingungsloses Grundeinkommen für alle etc.), es aber doch nicht gebacken bekommen.
Apropos gebacken bekommen. Das monatelange Füttern macht ein Kleinkind nicht nur schwerer, sondern auch beweglicher. Das wäre erfreulich, wenn es sich dadurch schon für kleinere Botengänge einsetzen ließe (Samstagmorgen zum Bäcker und dabei gleich den Müll mit runter nehmen). So weit reicht die Beweglichkeit leider noch nicht. Sie reicht aber bis in die Küche mit all ihren – Achtung – Gefahrenherden. Dazu zählen neben dem Backofen auch der Mülleimer, der Vorratsschrank, der Schrank mit den Tupperdosen und die Mikrowelle auf Kniehöhe. Dem mobilen Entdecker entgeht nichts unterhalb von einem Meter. Nicht die Tischdecken auf denen Omas gutes Porzellan steht. Nicht die Musikanlage mit dem ausfahrbaren CDFach und auch nicht die Toilettenschüssel... Plötzlich ist Kreativität bei der Ablage des Hausrats gefragt.
Doch anstatt sich über die Autonomiebemühungen des Nachwuchses zu freuen, setzen die Erzeuger ihrem Kind nun allenthalben Grenzen. Schlösser, Laufställe, Schutzgittertüren und vieles mehr hemmen den Bewegungsdrang. Das Kind steht am Gitter und muss erleben, wie andere das von ihm so heiß Begehrte vereinnahmen. Diesen stechenden Schmerz kennt wiederum die Politik nur zu gut: Den Atomausstieg propagieren plötzlich die, die ihn jahrelang verhinderten – und die Grünen ärgern sich schwarz. Und Rot muss zusehen, wie die Schwarzen aus dem Mußtopf kommen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fordern. Alles super, Hauptsache einer macht‘s. Vielleicht haben Menschen ja doch so etwas wie Schwarmintelligenz.
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