Nachdem sich seine „Dinosaurier“ mutig dem Großkapital entgegenstellten, schickt Leander Haußmann nun Bully Herbig in das Moskau der 1930er Jahre.
Der Bürger Leander Haußmann ist als freier Geist und bekennender Demokrat ein politischer Mensch, der sich ungern politisch vereinnahmen lässt. Die Art und Weise, in welcher die Berliner Pro-Schönefeld-Blockparteien seinen Frieden mit einem internationalen Drehkreuz bedrohen, kann er jedoch nur als frontalen Angriff auf die demokratischen Grundrechte von uns allen verstehen. Mehrfach fand er dafür bei den Friedrichshagener Montagsdemos deutliche Worte. Unvergessen ist die klare Handlungsaufforderung, mit welcher er den Aufsichtsratsvorsitzenden der Berliner Flughafengesellschaft an seine oberbürgermeisterlichen Dienstpflichten erinnern musste.

Ein anderes Mal konnte man den Regisseur in seinem Element erleben, als er mehrere tausend Demonstranten mit dem Megafon in der Hand, vom Dach eines fahrenden Kleinbusses, zu einer Menschenketten-Generalprobe über die gesamte Länge rund um die Bölschestraße dirigierte. Mit „Hotel LUX“ kommt nun sein neuer Film in die Kinos. Bully Herbig spielt darin den arglosen Komödianten Hans Zeisig, der mit seiner Hitler-Stalin-Parodie die Zeichen der Zeit verkennt, bis er 1938 Nazideutschland Hals über Kopf verlassen muss. Sein Traumziel wäre Hollywood, doch die Umstände verschlagen ihn nach Moskau. Im Hotel LUX verlangt der sinnesfreudige Lebemann nach der besten Suite. Wenig später findet er sich in Stalins Verhörzimmern wieder.

Vor diesem düsteren historischen Hintergund stürzt Haußmann seinen widerwilligen Helden in ein turbulentes Chaos, in dem er gemeinsam mit seinem jüdischen Freund Siegfried Meyer (Jürgen Vogel) und dessen kommunistischer Frau Frieda van Orten (Thekla Reuten) nur eines will – überleben.

Hotel Lux, Regie: L. Haußmann. Mit: B. Herbig, J. Vogel,

T. Reuten, A. Senderovich. FSK ab 12 freigegeben,

Genre: Komödie, Laufzeit: 95 Minuten. Produktionsjahr: 2011


Sebastian Köpcke

Ein Beitrag von Sebastian Köpcke

Grafiker, Illustrator, Kuriositätensammler und Ausstellungsmacher. Geistiger Vater von Müggula, dem Biest aus dem Müggelsee, und anderen schlimmen Abscheulichkeiten. Zitat: „Nicht über unseren Köpcke hinweg.“