Baby’s In Black

lennonDie Geschichte von Astrid Kirchherr und Stuart Sutcliffe“ von Arne Bellstorf

Es gab einmal eine Zeit, da waren die Beatles noch zu fünft, und Paul McCartney stand quasi nur zur Zierde auf der Bühne – sein E-Bass war nicht eingestöpselt, weil Stuart Sutcliffe offiziell den Bass spielte. Das war 1960 in Hamburg. Stu war John Lennons Kumpel aus der Kunsthochschule, und John drohte, wenn Stu ginge, dann ginge er auch.
Bekanntlich einigte man sich dann aber doch anders, denn Stu wollte erstens lieber Maler sein als Musiker, ihm machte der Rock’n’Roll nicht so viel Spaß wie John, und er trat seinen Platz daher freiwillig an Paul ab. Und zweitens hatte er sich in die Fotografin Astrid Kirchherr verliebt. Er wollte bei ihr in Hamburg bleiben.
Nicht einmal zwei Jahre später, noch bevor die Beatles in den Olymp geschossen wurden, endete diese Liebesgeschichte jäh und brutal mit Stuarts plötzlichem Tod.
Arne Bellstorf hat diese kaum zwei Jahre nun in Comicform zu Papier gebracht: „Baby’s in black“ heißt der Band, der Mitte Oktober beim Reprodukt-Verlag erscheint. Bellstorf, Jahrgang 1979, zeichnet u. a. Strips für den „Tagesspiegel“, und seine Figürchen wirken ein bisschen wie japanische Zeichentrickmännchen – Astrid und Stu erinnern einen in der konformen Niedlichkeit an Heidi und Peter, aber das soll einen nicht von der akribischen und minutiösen Genauigkeit der Bildchen ablenken. Man merkt, dass Bellstorf lange und gründlich recherchiert hat; dies dokumentiert auch sein Blog www.babysinblack.bellstorf.com. Der Titel „Baby’s in black“ ist dabei nicht nur ein Beatles-Zitat, ausgewählt, um auf der 2010 grassierenden Beatles-Welle mitzusurfen, sondern hat Programm, denn die schwarze Kleidung war der Ausdruck der Rebellion der jungen Hamburger Künstlerszene Ende der 50er Jahre. Dazu kam der metrosexuelle Pilzkopf, den Astrid trug und der bald zum Markenzeichen der Beatles werden sollte. Die „Teddy Boys“ aus England – Lennon und Co. liefen damals noch als Rocker herum, mit Lederjacke und Haartolle – stießen hier mit den „Exis“, den Existentialisten, aus Hamburg zusammen. Rock’n’Roll war eigentlich nicht so sehr „die“ Musik der Exis, deshalb war Astrid zunächst skeptisch, als Klaus Voormann sie in den „Kaiserkeller“ lud, um sich diese wilden englischen Jungs anzuhören, doch sie kam mit – der Rest ist Geschichte.

Stuart Sutcliffe war noch nicht 22, als er im April 1962 starb, und Astrid Kirchherrs Fotos der Beatles in Hamburg sind mehr als „nur“ Dokumente der Zeit vor der Beatlemania. Schon deshalb ist es großartig, die Geschichte dieses Pärchens einmal wieder unter die Lupe zu nehmen.

Babys in Black erscheint im Oktober 2010 bei Reprodukt, 216 Seiten, schwarz/weiß 23 x 16 cm, Klappbroschur, 20. Das Maulbeerblatt verlost zwei Exemplare an die ersten Kommentatoren auf diesen Beitrag. (Extrapunkte erhalten die, die die korrekte inhaltliche Beziehung zum Cover der aktuellen Maulbeerblattausgabe herzustellen vermögen.)


Ni Gudix
Ein Beitrag von

Sie ist Literaturübersetzerin, Schriftstellerin, Historikerin, Theaterautorin und Illustratorin. Ihre Hauptantriebsquellen sind Phantasie und Freude an der Arbeit. „Objektive Qualität“ gibt es nicht, weil Qualität an sich eine Kategorie ist, die aus der Seele kommt: BeGEISTerung.

3 thoughts on “Baby’s In Black

  1. der beitrag macht mich neugierig und der zusammenhang mit der vorderseite ist doch klar: weil in allen vier Ecken beatles drin stecken! wünsche mir weiterhin so interessante hefte! freue mich auf jede neue ausgabe!

  2. Ich bin ein großer Beatlesfan und würde mich sehr über “Baby’s in black” freuen. (Das Cover ist sicher eine Anspielung auf die Legende ein Mann mit Bart auf einer brennenden Torte sei den vier Jungs erschienen, um ihnen ihren zukünftigen Bandnamen zuzurufen.)

  3. Herzlichen Glückwunsch an die zwei Gewinner … die schwarzen Babys gehen Euch zu.
    Viel Spaß damit.
    Maulbeermann

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