Köpenick sucht neues Schlitzohr

Welcher Bühnenheld besitzt den Voigtschen Schneid?
Erstveröffentlichung: 01.03.2022
Nach der letzten(?) Vorstellungsreihe im Stadttheater in der Wendenschloßstraße fällt auch der ewige Vorhang für das Theaterstück über den dreisten Tilsiter Räuber Wilhelm Voigt, der zwar mit ordentlich entwertetem Fahrschein, jedoch in falscher Uniform mit der Berliner S-Bahn anreiste, den Bürgermeister Langhans verhaftete und sich die Köpenicker Stadtkasse aushändigen ließ.
Foto: M. Vorbau / Collage: B. Hofmann

Die Geschichte des falschen Hauptmanns ist das Leitthema (oder gar das Leidthema?) des Volksschauspielers Jürgen Hilbrecht, der nunmehr seit über 30 Jahren die Figur des schlitzohrigen Schusters nicht nur auf diversen Bühnen Köpenicks verkörperte, sondern auch zu allen lokalen Anlässen, wie z. B. Straßen- und Stadtteilfesten, bei offiziellen Empfängen im Rathaus, zu Hochzeiten an eben jenem Ort sowie auch als Touristikmaskottchen jeder Kamera – größtenteils kostenfrei oder gar auf eigene Kosten – zur Verfügung stand. 2014 wurde „Hilli“ in Anerkennung seiner oft selbstlosen Einsätze und seiner Bemühungen um den Touristikstandort Köpenick sogar die Treptow-Köpenicker Bürgermedaille verliehen.

 

Bitte unterstütze unsere redaktionelle Arbeit!

 

Im Ortsteil Alt Köpenick, im Bezirk und sogar darüber hinaus war die Person Hilbrecht bis 2020 untrennbar mit der Figur des historischen Hauptmanns von Köpenick verschmolzen. Mit der erwartungsvollen Frage„Kommt der Hauptmann?“ meinte man den Schauspieler – ob in Uniform oder ohne. Hilbrechts Erscheinung vor Ort war von einer derartigen Präsenz und Frequenz, dass er die Hauptmann-Darstellungen seiner geschätzten Kollegen Juhnke und Rühmann mühelos überstrahlte. Und das war kein Zufall: Das 2006 von den renommierten Autoren Felix Huby und Hans Münch verfasste Theater-Solostück „Das Schlitzohr von Köpenick – Schuster, Hauptmann, Vagabund“ leistete dieser Omnipräsenz der Hauptmannfigur massiven Vorschub.

Hilbrechts Anspruch an seine Arbeit als Schauspieler war und ist die Symbiose regionaler Theaterstrukturen mit nachhaltigem Kulturtourismus. Noch bis vor Kurzem schien diese Vision zu seinen Lebzeiten nicht mehr realisierbar.

Doch wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her: Mit der Bühne des Stadttheaters hat sich unverhofft ein verbindlich terminierbarer Theaterraum mit einer Kapazität für 99 Gäste gefunden. Endlich sind langfristige Vereinbarungen mit z. B. Busreiseunternehmen möglich. Der Tourismusverein Treptow-Köpenick hat bereits seine Unterstützung signalisiert.

Die Zukunft der Schlitzohr-Solonummer gehört allerdings in die Hände der nächsten Generation. So sieht es auch „Hilli“. Doch welcher Mime, traditionell ausgebildet in Schauspiel und Gesang, ergreift die Chance auf die Rolle seines Lebens? Welcher Bühnenheld besitzt den nötigen Voigtschen Schneid und meldet sich über folgenden Kanal?

Tel.: 030 650 754 83 /// E-mail: info(at)stadttheater-koepenick.de

Maulbeertipp

Im Dialog mit der Großen Liegenden

Foto: Matti Fischer „Kunstschafter“ und Künstler*innen führen die Passanten innerhalb eines Rundganges durch das Gartendenkmal. Dieser Kunstparcours reicht von der...

Maulbeertipp

Orpheus trifft…

Lyrikkreis PVC Poetiva virginum coeli – PVC – Polyvinylchlorid Plaste und Poesie der himmlischen Jungfrauen, das sind die Attribute des Montagslyrikkreises...

Maulbeertipp

Wer klebt, der lebt!

Foto: Danuta Schmidt

Psychedelische Muster und optische Täuschungen

Tape Art ist eine junge Kunstform, der „Pinsel“ ist hier das klassische Klebeband.Der Stil...