trailrun

„Wir sehen uns an der Startlinie und mit etwas Glück auch im Ziel“ lese ich als aktuelle Motivationsmeldung auf der Homepage des Trail Run.

Mir rutscht das Herz in die Hose. Ich möchte mit dem Kopf auf die Tastatur einhacken. Was bin ich bekloppt! Ich gucke mich verstohlen im Büro um und grüble, wie ich aus der Sache jetzt wieder rauskomme.

Vor anderthalb Monaten habe ich meinen Chef motiviert, am Trail Run teilzunehmen. Er sagte: „Nur, wenn Du mitmachst!“ Und ich – doing, doing, doing – sagte zu…

Ich – die in der Schule zwar glänzte, wenn es galt, schnell davon zu rennen, die sich beim Ausdauerlauf aber immer wie zufällig eine Zerrung zuzog, oder in den Büschen verschwand. Ich halte mich nicht für unsportlich – nein. Aber ich hasse es zu laufen… selbst wenn ich jetzt klammheimlich früh – frühst – morgens in meiner Schlabberkleidung los trabe, immer ist da jemand in neon-farbener Funktionskleidung, der mich mit Leichtigkeit überholt. Das unentbehrliche I-Phone haftet am konturiertem Bizeps des Läufers und gibt seinen braungebrannten Waden den Rhythmus vor. Oder dokumentiert und analysiert das olympische Laufpensum. Oder soll mir einfach nochmal demonstrieren: Du bist ein Loser!

Ich gucke ihm feindselig aus dunklen Augenringen und mit rasselndem Atem hinterher. Nach einer gefühlten Ewigkeit voll Schweiß und Quälerei legt sich ein Schalter in mir um und ich merke, dass ich an nichts mehr denke, meine Füße von ganz allein rennen. Doch ausgerechnet dann bin ich vor meiner Haustür angekommen. Dusche und Kaffee wirken anziehender auf mich als die idyllische Landschaft um den Müggelsee, den ich doch endlich einmal komplett umrunden könnte.

Der Trail Run durch die Müggelberge… Ich bin die Strecke mit meinem Chef bisher einmal gelaufen, 6.30 Uhr am Morgen, im strömenden Regen. Anfangs war ich beschwingt, rutschte durchs Laub, hüpfte einem jungen Reh gleich über Wurzeln – bis zur ersten Steigung. Meine Lunge hustete die Tagesration blaue Gaulioses wieder aus, mein Brustkorb zog sich zusammen und mein Rücken wurde steif wie ein Brett. Stehen blieb ich nicht, aber erst beim vierten Kilometer hatte ich das Gefühl, meinen Körper koordiniert vorwärts treiben zu können. Ich schwor mir nie wieder zu rauchen und knabberte peinlich berührt die Rotweinkruste von meinen ausgedörrten Lippen. Ich habe großen Respekt vor Leuten, die das regelmäßigmachen. Ich beneide sie. Aber ich brauche ein klares Ziel wie diesen 14. September, um mich zu motivieren. Es geht um Disziplin, den inneren Schweinehund zu überwinden. Das ist das Wichtigste.

Ich habe noch zwei Monate Training vor mir. Ich stehe an der Startlinie – zur Not komme ich kriechend im Ziel an.

 

 

Was: TrailRunBerlin
Wann:14.09. 2014
Startschuss: 12:00 Uhr
Wo: Am Müggelturm / Müggelberge
Wie weit: 10 km
Was kostets: 15 € (bis 27.07.), danach 20 €
Anmeldung: www.trailrunberlin.de
Meldeschluss: 07.09. 2014


Lisalotta Köhler

Ein Beitrag von Lisalotta Köhler

Kann nicht mit der und nicht ohne die Heimat. Theatermädel, Vagabund, klassische Hupfdohle, manische Bücherhorterin, wortverliebt, nimmersatt. Zitat: „Weeß ick nich, erklär mir mal!“