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Klamotten mit Nachdruck – Nachhaltigkeit bei Esprit

Nachhaltigkeit, ökologischer Fußabdruck, Upcycling – alles Begriffe, die vor zwei Jahrzehnten fast ausschließlich im Vokabular passionierter Ökos und Umweltaktivisten zu finden waren. Inzwischen ist Bio in der Mitte der Gesellschaft angekommen und hat das Image der spröden Ökos hinter sich gelassen. Nicht mehr nur alternative Bauwagenbewohner legen Wert auf Recycling, abbaubare Mülltüten und Nachhaltigkeit, es sind vor allem die gut verdienende Mittelschicht und Studenten, die bevorzugt zum umweltverträglichen Produkt greifen, wenn sie die Wahl haben. Das haben inzwischen auch die meisten Einzelhandelsunternehmen erkannt und springen eifrig auf den Öko- bzw. Biozug auf. Discounter führen eigene Biolinien im Regal und große Modeketten verkaufen Klamotten aus Biobaumwolle im vermeintlich großen Stil. Den Verbraucher freut das scheinbar überall konsumierbare gute Gewissen, der Einzelhandel nutzt die Gelegenheit, eine weitere Produktnische vermarkten zu können. Dabei ist Bio nicht zwangsläufig gesünder, gut für die Umwelt und Nachhaltiger als konventionelle Produkte. Dazu gehört schon etwas mehr.

Recycling und Nachwuchsförderung

Umso überraschender die Initiative der Modekette Esprit. Nicht nur zählt das bikontinentale Unternehmen mit Sitz in Ratingen und Hongkong zu den größten Einkäufern von Biobaumwolle, sondern nutz auch andere, eher unbekannte und nachhaltige Materialien für seine Textilien, so zum Beispiel Bioleinen und Tencel®, das aus Eukalyptusbäumen gewonnen wird. Mindestens genauso wichtig wie die Verwendung nachhaltiger Rohstoffe ist das Thema Recycling. Genau, nicht nur Verpackungsmaterialien mit dem Grünen Punkt und Altglas lässt sich recyceln, auch Textilien wie Nylon bekommen bei Esprit eine Chance auf ein zweites Leben. Allerdings braucht es dazu zuallererst clevere Ideen. Nicht zuletzt deshalb schreibt die Modekette seit vier Jahren den EcoChic Designaward aus, bei dem junge Designtalente dazu aufgefordert sind, Mode aus Recyclingmaterialien zu kreieren. Wer sich hier jetzt Kleider aus Plastiksäcken und Taschen aus Coladosen vorstellt, liegt allerdings falsch. Der Fokus liegt auf Wiederverarbeitung von Textilien sowie der nachhaltigen und umweltschonenden Wiederaufbereitung der Materialien. Die Gewinnerin des EcoChic Designawards 2013 kommt aus Berlin und heißt Karen Jessen. Die Berliner Designerin gewann den ersten Preis und designt die kommende Recycled Collection by Esprit, die Mitte dieses Jahres in den Geschäften der Modekette, zum Beispiel im Forum Köpenick, hängen wird.

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Es bleibt ein langer Weg bis zum Mainstream

Tierfreunde und vegane Biofreunde dürfte auch interessieren, dass das Unternehmen von der Tierschutzorganisation PETA Deutschland mit dem Vegan Fashion Award ausgezeichnet wurde. Ausgezeichnet wurde im Speziellen ein Damenschuh aus robustem Lederimitat. Bei all der Lobhudelei muss man aber auch sagen, dass die nachhaltigen oder veganen Modelle noch immer eher ein Nischendasein fristen. Auch bei Esprit sind solche Produkte bisher in der Unterzahl. Das groß wird noch immer auf die Herkömmliche, Wasser- und Chemieintensive Art produziert. Die Bemühungen sind sichtbar, bleibt abzuwarten, ob sich der Nachhaltigkeitsgedanke auf dem Markt durchsetzt, sowohl bei Esprit als auch bei den anderen großen Marken.

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Bilder: all rights reserved© 2013 by BENU Berlin

 


Jörn Paschke

Ein Beitrag von Jörn Paschke

Maulbeerurgestein, begnadeter Layouter mit Spitzenideen und Hang zur Englischen Schreibschrift. Ist schuld am Maulbeerblatt Zitat: „Print ist Krieg!“