erstmal ne fluppe

Weihnachten – das wird uns beim täglichen Türchenöffnen des Adventskalenders deutlich vor Augen geführt – rückt immer näher. Und mit dem glühweinbedingten Alkoholpegel steigt auch der Stress, den das sogenannte Fest der Liebe mit sich bringt. Die kürzest mögliche Adventszeit, die uns der gregorianische Kalender dieses Jahr beschert, setzt uns mächtig unter Druck. Die Gans will bestellt, die Betten für die Schwiegereltern bezogen und Geschenke für Kind und Rind besorgt werden.

 

Schenken in Zeiten des Überflusses

Also raus aus dem Bezirk, rein in die große Stadt und mitten ins Getümmel, wo es nach verbrannten Mandeln riecht, Kinder auf Rolltreppen plärren und dicke Frauen in Pelzmänteln riesige Tüten durch die Gegend schleppen, während sich der Taschendieb gierig die Hände reibt, um im nächsten Moment blitzschnell die langen Finger in die Handtasche zu schieben. Muss das wirklich sein?

Was soll das überhaupt mit dieser Schenkerei, wo doch eh schon jeder alles hat oder man sich das, was dem anderen fehlt, ja selber nicht leisten kann? Und doch ist es schön, diese Geheimniskrämerei und der Moment, in dem das Geschenk aus dem hübschen Papier geschält wird und der Beschenkte sich von tiefstem Herzen freut, dass jemand an ihn gedacht und sich was Nettes überlegt hat. Ganz egal, ob man schon drei Paar Handschuhe hat und das Parfum nach Pavian riecht.
 

Online ist auch keine Lösung

Natürlich könnte man sich dem Shoppingirrsinn entziehen und zu Hause am Rechner bestellen, was gefällt und obendrein schön billig ist. Wer im letzten Drittel des Jahres allerdings nur einmal aus dem Fenster geschaut und gesehen hat, wie stinkende Lieferwagen die Straßen verstopfen und sonst sehr schlaue Menschen stundenlang vor der Postfiliale Schlange stehen, um ein Paket abzuholen, kann das alles nicht ernsthaft unterstützen wollen.
 

Support your local Wohlfühlmensch

Das Glück liegt, wie so oft, doch eigentlich zum Greifen nah. Wer wohnt denn im schönsten Bezirk der Stadt? Und warum ist der so schön? Natürlich wegen Wald und Wasser. Aber doch auch wegen der netten Cafés und Restaurants, hübschen Läden und all der Menschen, die mit ihren (durchaus auch geschäftlichen) Ideen dafür sorgen, dass man sich hier so wohlfühlt. Darum kaufen Maulbären ihre Geschenke dieses Jahr vor Ort: Krimis in der inhabergeführten Buchhandlung, Restaurantgutscheine für ein Dinner mit Seeblick, eine Einladung in eines der nettesten Kinos der Stadt oder einen Gutschein für eine Floßfahrt über den Müggelsee.

Und während die dem Weihnachtswahn Verfallenen aufgrund einer Signalstörung am Alex hängenbleiben oder in Rüdersdorf nach verschollenen Paketen fahnden, wird hier schon wieder der nächste Glühwein eingeschenkt.

 

 

 

Fotos: iStock