Macht.Licht.

Angeblich leben wir in finsteren und traurigen Zeiten
Seit ein gewisser Herr T. im fernen Amerika einen kostenlosen 140-Zeichen-Nachrichtendienst mit Politik verwechselt und der Betonbauerbranche in den Südstaaten zu neuer Blüte verhelfen will, steht die Welt Kopf. Von „finsteren Zeiten“ ist die Rede.
Medien verkünden gar das „Ende der Demokratie“. Alles fake news. Bei uns zu Hause herrschen seit Wochen Licht und Frohsinn. Und das kam so: Das Töchterlein, inzwischen ein stolzes und gelehriges Schulkind, stellte erschüttert fest, dass es kein Handy besitzt. „Alle anderen“ haben angeblich eines. Fake news, wie sich schnell herausstellte. Nicht die Sechsjährigen haben die Smartphones - sondern die Achtjährigen… Damit das arme Kind am technischen Fortschritt teilhaben kann, haben wir uns erbarmt und ihm unser altes Handy überlassen. Ohne Telefonie, ohne Internetzugang. Dafür mit einer Million Hörbüchern und Liedersammlungen für Kinder. Kurze Einführung in die Technik und schon konnte es losgehen. Das funktionierte ein paar Tage lang gut. Bibi Blocksberg tönte morgens, nachmittags und abends aus den Boxen. Irgendwann, wir hatten es uns gerade mit Lektüre (nix Reader, oldschool auf Papier!) im Wohnzimmer gemütlich gemacht, ging rings um uns herum das Licht aus. „Stromausfall“, dachte ich. „Pfff, schlaues Mädel“, brummte der Vater. Unser kleiner digital native hatte die smart home-Funktionen auf seinem Handy entdeckt. Seither durchflutet „Sonnenaufgang“ oder „Tropische Nacht“ unkontrolliert die Räume. Mehr oder weniger passend zu den ferngesteuerten Lichtverhältnissen blendet die junge Dame auch Musik ein. Ihre Musik wohlgemerkt. Anfangs dröhnte immer die selbe Radio Teddy-Soße aus den Lautsprechern. Aber inzwischen entdeckt das Kind auch R´n`B und ElektroJazz für sich. Wir tanzen jetzt viel im Wohnzimmer und denken uns Liedtexte aus. Es ist großartig! Nicht mehr lange und das Kind kann twittern. Vielleicht ja sowas: @DonaldTrump #lastNightinBerlin we found out how to switch off the lights at your place!

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