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Die Schauspielerin Sonja Hildebrandt

Nicht viele können von sich behaupten, die Weimarer Republik erlebt, Hilter überstanden und glückliche Jahre in der DDR verbracht zu haben. So bewegt diese 90 Jahre waren, so bewegt war auch das Leben der 1922 geborenen, Sonja Hildebrandt. Es ist schwer, dieser Frau, die heute noch Schillers „Glocke“ frei zitiert und heimlich davon träumt noch einmal Grillparzers „Medea“ zu sein, in ein paar Sätzen gerecht zu werden.
Oft wechselte die kleine Familie den Wohnort und schon früh erlebte das junge Mädchen sowohl Wohlstand als auch Armut. Der Traum der Schauspielerei erwachte schnell in ihr. Heimlich absolvierte sie die Eignungsprüfung für die Reichstheaterkammer und erinnert sich heute noch genau an die Worte „Eignung scheint gegeben“. Mit väterlicher Unterstützung nahm sie das Schauspielstudium auf.

Obwohl ihr der Krieg einen Abschluss verwehrte, konnte sie bald als aktive Schauspielerin am Aufbau einer jungen Bühne in Goslar teilnehmen und verbrachte zwei glückliche Jahre, von denen sie immer noch mit großer Begeisterung schwärmt. Hier lernte sie auch ihren späteren Ehemann Hans Hildebrandt kennen. Ein Hildebrandt, der dem ein oder anderen ehemaligen DDR-Bürger wohl schon mal zu Ohren gekommen ist. Nach ihrer Hochzeit arbeitete das schauspielende Paar für den deutschen Veranstaltungsdienst. Sie schrieben eigene Programme und gingen mit ihren gespielten Lesungen auf Tour. Eine turbulente Zeit, in der die Hildebrandts auch an Schulen mit „Literarischen Stunden“ begeisterten.

Mit den ersten Kinderschreien im Hause, begann für Hans Hildebrandt eine ruhigere Karriere beim DDR-Rundfunk und auch Sonja Hildebrandt blieb nicht lange untätig. Bald leitete sie Schultheatergruppen, die sogar an den Rezitatorenwettbewerben in Schwerin teilnahmen. Dort wurde die Leiterin der Besetzungsabteilung beim DEFA-Studio für Synchronisation auf die kinderliebe Schauspiellehrerin aufmerksam und so bekam sie das Angebot, die Kinderabteilung aufzubauen. Von 1973-82 widmetete sie sich nun dieser Aufgabe und erfreute sich, obwohl streng lehrend, großer Beliebtheit. Noch heute begeistern sie die teils grandiosen Karrieren ihrer damaligen Zöglinge, wie Steffi Kühnert, Dagmar Jaeger oder auch Ralf Schlösser.

Mit all ihrer Leidenschaft zur Schauspielerei führte sie von 1991-2011 die Seniorentheatergruppe Köpenick und erhielt 2007 sogar die Bürgermedaille für ihr ehrenamtliches Engagement. Sonja Hildebrandt hat viel erlebt, erreicht und geschaffen und vor allem bleibt ihr dabei die Begeisterung für die Dinge, die sie liebt, stets erhalten.


Josephine Kuban

Ein Beitrag von Josephine Kuban

Geschichts- und Archäologiestudentin auf der Suche nach ihrem Traumberuf, die momentan Museum gegen Maulbeerblatt und Schaufel gegen Stift tauscht.