Die Illustratorin und Comicautorin Maki Shimizu

Die Kunst gezeichnete Bilderfolgen mit Schriftzeichen zu versehen lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Erzählte und zugleich grafische Geschichte gezeichnet auf Papyrus, geknüpft in Teppiche, gemalt auf Wände. Selbst die christliche Kirche erkannte den Wert ihre Botschaften zu visualisieren und versah im 13. Jahrhundert die Illustrationen in der Armenbibel mit Spruchbändern.

Mit Erfindung des Holzschnittes und später des Buchdrucks wurden weitere wichtige Weichen gestellt, um den Siegeszug des Comicstrips einzuläuten, welcher seit Ende des 19. Jahrhunderts, neben einer Rätselseite, beliebter Bestandteil von Zeitungen und Magazinen (wie auch diesem) wurde. Kulturunabhängig begeistern sich seither Jung und Alt für die teilweise ganzseitigen Abenteuer von Garfield, den Digedags oder Didi & Stulle. Eine Illustratorin deren Comics derzeit das Maulbeerblatt zieren, ist die aus Japan stammende Illustratorin Maki Shimizu. Auch in ihrem Heimatland blickt der Comic auf eine lange, von westlichen Einflüßen meist unabhängige Tradition zurück, hat einen noch größeren Stellenwert und erfährt noch mehr gesellschaftliche Akzeptanz als etwa in Europa.

In der Nähe von Tokio geboren, wuchs Maki quasi im Speckgürtel der südostasiatischen Megametropole auf. Sie entdeckte ihre Leidenschaft für das Zeichnen bereits als Kind und war in dieser Zeit beeindruckt von Picassos Zitat: „Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit erkennen lässt.“ Im zarten Alter von 19 Jahren und mit nichts weiter als einem riesigen Wanderucksack und ebenso viel Neugier und Wissensdrang machte sie sich auf, durch die fernen deutschen Bergwelten zu stapfen und die westliche Kultur zu entdecken und zu erleben.

„Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit erkennen lässt.“

Nach zehn Tagen Wanderschaft kam sie – ursprünglich nur für eine Übernachtung – in einer Herberge unter. Spontan wurden aus dieser Übernachtung drei Monate. Und auf ein Grafikdesignstudium in Bielefeld folgte ein Umzug nach Berlin, wo sie seit 2006 als freie Künstlerin und Autorin lebt und arbeitet. Ihr gerade neu erschienenes Comic ist der dritte Band um die Geschichten des lässigen Katers Adagio, der nach einem Burnout lernen muss zu entschleunigen und sich wieder auf die wesentlichen Dinge zu besinnen. In der teilweise durch Crowdfunding finanzierten Reihe fließen hauptsächlich autobiographische Erlebnisse ein und Maki taucht als eine Art Alter Ego in Form der kecken und ziemlich chaotischen Maki-Maus auf. Auch im wirklichen Leben war die Autorin zeitweise vom Stress geplagt, ernährte sich hauptsächlich von Kaffee und paffte drei Schachteln Zigaretten am Tag. Ein wichtiger Bestandteil der in Berlin spielenden Geschichten sind die kleinen Missverständnisse und feinen Unklarheiten, die durch die kulturellen und sprachlichen Barrieren entstehen.

Mit einer weiteren Arbeit kehrt Maki Shimizu neben ihren eigenen Wurzeln auch ein Stück zur Geschichte des Comics zurück. Mit dem 2001 erschienenen Buch ‚Yuki‘ sammelte sie Arbeiten aus dem zehn Jahre andauernden Gemeinschaftsprojekt mit ihrer Studienkollegin Yoku Chikazawa. Dabei malte Maki Porträts von Freunden, schickte diese nach Japan, wo Yoku sie im traditionellen Holzschnitt druckte. Ähnlich wie einst Katsushika Hokusai, welcher im 18. Jahrhundert den Begriff Manga – die japanische Form des Comic – prägte. Um mehr von Makis Arbeiten zu erfahren, kann man sie auf ihrer Internetseite makishimizu.com besuchen oder bis zum Ende des Maulbeerblatts blättern.

ADADIO N°3 – Mindvollness, Autorin: Maki Shimizu
100 Seiten in S/W, ISBN 978-3-946642-21-3 – 19,00€
www.jajaverlag.com

 

Foto: Björn Hofmann


Bjoern Hofmann

Ein Beitrag von Bjoern Hofmann

Typophiler Printjunkie mit 6. Dan in Code-Ninjutsu und ausgeprägter Fahrradmacke, derzeit sesshaft im heimelichen Maulbeerblatt.