Foto: Björn Hofmann

Die Köpenicker Trommeltruppe mit einzigartiger Note

„Es ist nicht nur die Musik, sondern das Gemeinschaftsgefühl, das die Einzigartigkeit der Sambakids ausmacht“, sagt Lisa. Es ist ihr erster Satz, fast überfallartig. Und: „Die Sambakids haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin.“ Nun will Lisa ihr Herzblut hineinlegen, dieses Projekt fortzusetzen. Benjamin, der sich die Aufgabe mit ihr teilen wird, sieht das ähnlich. Nicht so impulsiv, aber ebenso überzeugt, sagt er: „Das Besondere an den Sambakids ist, dass jeder sein kann, wie er ist. Die kleinen Fehler des anderen bedeuten nichts.“ Es sei nicht wie in der Schule, wo man für Unzulänglichkeiten ausgelacht und abgestempelt wird. Wo Druck und Konkurrenzkampf auf den Jugendlichen lastet.

Auf den ersten Blick sind die Sambakids eine Köpenicker Trommelgruppe, die sich wöchentlich in der Möbelfabrik in der Karlstraße 12 trifft und brasilianische Samba-Rhythmen probt. Der harte Kern besteht aus acht bis zehn Mädchen und Jungen, die das Alter zwischen 10 und 20 Jahren haben. Ins Leben gerufen wurde das Projekt 1990 von René Wiese, der seither Musik, Proben, Konzerte, Wochenend-Touren organisiert. Und mehr als das. Jetzt will er den Staffelstab an Lisa und Benjamin weiterreichen. Der Lehrer tritt ab, wacht aus der Ferne als Schirmherr darüber, dass seinen Schülern der Umbruch gelingt, um sich nach und nach aus dem Geschäft zurückzuziehen.

Aber bei den Sambakids kann man nicht von einem einfachen Generationswechsel sprechen. Lisa ist 20, Benjamin 25 Jahre alt. Beide haben hier vor über zehn Jahren mit dem Trommeln angefangen, und wenn sie heute von diesen Zeiten erzählen, fangen ihre Augen an zu leuchten.

„Es ist so schwer zu beschreiben, aber die Sambakids sind unsere zweite Familie“, meint Lisa. „Wer einmal dazugehört, kommt nicht mehr los.“ An äußere Zwänge wie Verpflichtung zur Pünktlichkeit oder Lerndruck kann sich Benjamin nicht erinnern. „René hat uns eine Trommel umgehängt, und dann haben wir mitgemacht. Und nach ein paar Proben ging es plötzlich.“ Und wem diese Methode nicht entgegenkam, der wurde beiseite genommen, jemand zeigte ihm, wie die Sticks gehalten werden, man zählte den Rhythmus vor. Und siehe da – auch dieses Kind lernte zu trommeln. „Jeder hier, wir alle haben gemerkt, dass wir etwas können und dass es auch nicht schlimm ist, wenn es mal nicht so gut klappt“, sagt Benjamin. Und Lisa: „Hier lernst du Selbstbewusstsein, mit deinem Leben etwas anzufangen.“

Den Rest erledigt die Musik, der Rhythmus, der Samba, der alle mitreißt, erst recht wenn man ihn selbst spielt. „Die Musik ist ja auch ein Gemeinschaftserlebnis, auf der Bühne verstehen wir uns blind“, sagt Lisa.

Diese einmalige Erfahrung aus Musik und Zusammenhalt wollen Lisa und Benjamin nun anderen Kids vermitteln. All das dürfe nicht in Vergessenheit geraten, meinen sie. Neben dem Trommelunterricht leisten sie immer auch Sozialarbeit, so ganz nebenbei. Aber das Programm ist alles andere als eine Kuscheleinheit.

Neben Schule, Hausaufgaben und Sport gibt es nur noch Samba. Fast jedes Wochenende stehen Auftritte in Berlin oder Wochenendfahrten in andere deutsche Städte an ­– immer zu irgendwelchen Gigs. Und es gibt größere Reisen. Lisa und Benjamin waren in Spanien und Japan, sie haben mit angesagten Bands wie „Fettes Brot“ und „Knorkator“ auf der Bühne gestanden.

Benjamin arbeitet bereits seit 2014 hauptamtlich für den Verein Sambakids, Lisa wird im kommenden Jahr nachziehen. Und wie es weiter geht, steht fest. Neben den wöchentlichen Proben werden sie weiter Workshops anbieten. Sie suchen immer nach Sponsoren für ihren Verein und sind gerade dabei, die Website der Sambakids neu zu gestalten. Außerdem ist eine neue CD-Produktion samt Musik-Video in Planung. Ganz neu ist die Idee, Samba-Percussion an Berliner Grundschulen anzubieten.


Lust mitzumachen? Dann: www.sambakids.de oder 030/ 65 07 52 97


Dietrich von Schell

Ein Beitrag von Dietrich von Schell

Sagt von sich selbst, dass er ein sonniges Gemüt hat. Seine journalistische Profession versteht er als Jäger- und Sammlertum: Fakten sammeln, für Geschichten auf die Jagd gehen. Zitat: (nach der Katastrophe) "Ist doch nischt passiert!"