Es war eine Ente der britischen Boulevard-Presse, die es letztes Jahr bis in die Online-Ausgaben deutscher Nachrichtenmagazine schaffte: Frauen hätten kleinere Gehirne, deshalb wären sie im Schach schlechter als Männer. Großmeister Nigel Short (50) aus England soll diese These in einem Essay vertreten haben. Sein Wort hat durchaus Gewicht. Short galt früher als Wunderkind, war Vize- Weltmeister, heute ist er Olivenbauer in Griechenland und Schach-Weltreisender. Richtig zitiert wurde er allerdings nicht. Frauen seien „anders verdrahtet“ oder würden „anders ticken“, wäre die korrekte Übersetzung, doch stoppen ließ sich die Meldung nicht mehr.

Via Facebook und Twitter erntete Short einen Shitstorm und vor wenigen Wochen verlor er bei einem Turnier in Neuseeland auch noch die Partie gegen die Chinesin Ju Wenjun (25), was ihm erneut Spott einbrachte. Warum es in der Weltspitze des Spiels der Könige so wenig Damen gibt, damit beschäftigen sich Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Bisher saß noch keine Frau auf dem Schach-Thron. Die männliche Schach-Dominanz habe „mathematische Gründe“, rechnete eine Forscher-Gruppe aus. Die analysierte die Zahlen der organisierten Schachspieler in Deutschland (120 000) und kam zu dem Ergebnis, dass die Frau-Mann- Quote in Vereinen bei 1:16 liegt. Ähnlich schwer haben es Frauen übrigens beim Dart. Bei der letzten WM war keine dabei. Die in Berlin lebende Dart-Spitzenspielerin Steffi Zwitkowitsch (39) hat eine Theorie: „Es muss etwas mit unseren genetischen Voraussetzungen zu tun haben. Frauen sehen breiter, sie nehmen Räume anders wahr.“

Schachecke aus Maulbeerausgabe 91

Weiß am Zug macht Remis!

Studie von A. A. Troizki, 1908

Auflösung (Ausgabe 90): 1. Te8 Kh7, 2. Dg6 fg6, 3. Lg8 Kh8, 4. Lf7 Kh7, 5. hg6 oder Lg6 matt.