Warum Wasser keinen Markt braucht

Früher stand Europa für Wohlstand und Entwicklung, heute sind wir die Dritte Welt. Mein Vater hat immer gesagt „In hundert Jahren wird der Krieg nicht um Erdöl geführt, sondern um Wasser.“ Ich hab ihn immer für einen hochintellektuellen Klugscheißer gehalten. Ich bin sauer, weil ich immer gesagt habe, dass die Zukunft nicht düster sein wird.

Heute Morgen sind drei chinesische Blauhelme in Thüringen umgekommen. Jeder weiß ganz genau, warum: Die Situation soll eskalieren. Die Resolution für Mitteleuropa war eine der schnellsten der letzten Jahrzehnte: 17.000 Mann sollen die Stabilität in der Region wieder herstellen. Die USA und China stellen fast alle Truppen. Beide Länder sind die größten Abnehmer der Wassers aus der Region, beide streiten schon sehr lange um die Vorherrschaft.

Begonnen hatte es damals mit der Marktöffnung der Wasserversorgung. Die Kommunen gaben den Versorgungsauftrag an viele kleine Unternehmen. Diese brillierten vorerst mit Dumpingpreisen und großen Versprechen. Jeder Abnehmer konnte sich seinen Versorger aussuchen – manche Ortschaften hatten bis zu zwanzig Zuwasserleitungen unter der Straßendecke, alle staatlich subventioniert – doch Vieles änderte sich schnell. Die Wasserkartelle und Unternehmensfusionen trieben die Preise horrend in die Höhe: „Um die Qualität des Wassers erhalten zu können, müssen wir die Preise anziehen!“ Mancherorts lohnte sich für ein Unternehmen ein Standort nicht, ganze Dörfer standen ohne Wasser da. Dann der große Skandal in den 30er Jahren, als festgestellt wurde, dass Abwässer nur teilgereiningt und chemisch verseucht wieder als Trinkwasser zurück gepumpt werden. „Wenn die Menschen besseres Wasser haben wollen, müssen sie dafür bezahlen. Der Markt ist frei!“ war die Aussage eines Pressesprechers. Mit diesem Argument wurde die noch viel schlimmere Entwicklung ebenso gerechtfertigt: Der Export. Das Großunternehmen China und die USA kauften jährlich Unmengen mitteleuropäischen Wassers – ihr eigenes war kaum noch trinkbar.

Menschen verkamen, Menschen verarmten, Menschen mussten abwandern, Menschen starben. Wir hier bekamen nur noch das sogenannte B-Wasser – ein bisschen gefiltert und chemisch aufbereitet – das gute Wasser ging in den Export. Die Cholera zog durch die Städte und raffte Millionen und Abermillionen Menschen dahin. Es war die Pest des 21. Jahrhunderts, die uns zurück in das Mittelalter verschlagen hat. Die Unruhen begannen. Wütende und vor allem verzweifelte Menschen, gepeitscht von dem Willen zu überleben, fielen über die Unternehmen her. Einige Standorte sind in der Hand von Clans, andere werden von schwerem Wachschutz gehalten. Doch für die großen Abnehmer in Übersee war das Wasser in Gefahr. „Zum Schutz der Menschenrechte in der Region Europa“ hat sie der Sicherheitsrat her geschickt, doch zum Schutze ihres Wassers sind sie hier.

Uns schützt hier keiner. Uns hat damals keiner geschützt, als sie uns das Wasser weggenommen haben, also wird uns auch heute keiner schützen, wenn wir unser Wasser wieder haben wollen.

Die Europäische Kommission versuchte in der Vergangenheit ständig, die Wasser- und Abwasserwirtschaft zu liberalisieren. Wenn man auf den Markt setzt, um diese Dienstleistungen zu erbringen, muss man damit rechnen, dass gut betuchte Kunden bessere Leistungen erhalten als Kunden, die finanziell weniger gut gestellt sind. „Kein Geld, kein Wasser“ wäre die Quintessenz einer markwirtschaftlich bestimmten Wasserversorgung. Am 22. März ist Weltwassertag. Mehr als eine Million Stimmen gegen die Liberalisierung der Wasserversorgung und für die Umsetzung des Menschenrechts auf Wasser und sanitäre Grundversorgung in der EU verleihen ihm dieses Jahr eine besondere Bedeutung. Helfen Sie mit, bis September 2.000.000 Stimmen für einen entsprechenden Gesetzesentwurf zu sammeln: www.right2water.eu/de


Johannes Großer

Ein Beitrag von Johannes Großer

Die Faust des Maulbeerblattes, Verlagskaufmann, Webentwickler und Fotograf aus Passion. Er ist das Allroundgenie beim Maulbeerblatt und zeitgleich THW-Helfer und Feuerwehrmann. Zitat: „Ich mach das alles sogar gerne!“