Auf der politischen Bühne hat die neue Spielzeit begonnen. Angela – Jetzt erst recht! steht auf dem Programm. Der irre Plot verspricht wieder Spannung, Leidenschaft und jede Menge schwarzgelben Humor: Wir schreiben das Jahr Zwanzig nach der Wiedervereinigung. Die deutsche Mehrheitsgesellschaft hat einen gemeinsamen kulturellen Grundkonsens gefunden. Sie lehnt eine Zweiklassen-Medizin ebenso ab, wie den Krieg in Afghanistan und eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Davon unbeeindruckt zeigt sich die Bundesregierung weiterhin integrationsunwillig. Sie schwadroniert von Energierevolution, Gesundheitsreform und Friedenseinsatz und jedem wird klar, gelungene Integration fängt bei der Sprache an. Die staatliche Vollversorgung nehmen die Totalverweigerer dennoch gern in Anspruch. Aus Sorge um sich selbst genehmigen sich auch die HRE-Banker ein paar Boni-Millionen, bevor sie wie Junkies um weitere 40 Milliarden betteln. Yeah Baby! Das ist soziale Marktwirtschaft! Dann plötzlich taucht Thilo Sarrazin auf und erläutert die genetischen Prägungen der handelnden Akteure. Auf der rechten Seite irrlichtert eine völlig verstrahlte Frau Steinbach durch die Kulissen und singt, der Pole sei selber schuld. Von Links rauscht Klaus Ernst im Porsche durchs Bild und schreit nach Gerechtigkeit für die da unten! Jawoll! bru?llt Genosse Gabriel eilends hinterher. Schließlich schleicht der tragische Held ins Rampenlicht. Gedemütigt und verlacht fragt er sich, wem er eine Niere spenden könnte. Doch Mr. 4 + X, weiß längst: das Spiel ist aus. Im sicheren Hafen der Ehe findet er sein Glück in der Liebe. So jung wie heute sehen wir uns nicht wieder, sagt sich auch Ole von Beust und reitet entspannt dem Sonnenuntergang entgegen.

 


Sebastian Köpcke

Ein Beitrag von Sebastian Köpcke

Grafiker, Illustrator, Kuriositätensammler und Ausstellungsmacher. Geistiger Vater von Müggula, dem Biest aus dem Müggelsee, und anderen schlimmen Abscheulichkeiten. Zitat: „Nicht über unseren Köpcke hinweg.“