Ein Bezirk wappnet sich

Mit Glühwürmchen den Stromausfällen trotzen
Nach dem großflächigen Stromausfall in Treptow-Köpenick und Lichtenberg ist die Verunsicherung weiter groß. Doch das Engagement einiger Weniger macht Hoffnung.
Glühwürmchen am Halm
Foto: Jeremy_Hogan / iStock
Vor gut sechs Wochen blieben etwa 31.000 Haushalte (darunter 1.550 Aquarien und 600 Modelleisenbahnen) und 2.000 Gewerbebetriebe für 31 Stunden ohne Strom. Bewohner und Gäste mussten sich auf eine völlig unerwartete Notsituation einstellen. Dabei gibt es genau genommen jeden Tag Stromausfälle in der Stadt, sagt Olaf Weidner, Sprecher vom Netzbetreiber „Stromnetz Berlin“ gegenüber dem rbb24 schmunzelnd.
„Es hat nur bisher zum Glück niemand wahrgenommen.“
Nach Angaben der Bundesnetzagentur war im Jahr 2018 tatsächlich jeder Berliner Haushalt statistisch gesehen für 13,7 Minuten ohne Strom – davon im Durchschnitt drei Minuten, wenn gerade ein Toast im Toaster ist und vier Minuten, während man unter der Dusche steht. Ein Drittel der Ausfälle entstehe durch Bauarbeiten wie die an der Salvador-Allende-Brücke, zwei Drittel durch dringend notwendige bauliche Maßnahmen, die zu spät durchgeführt werden. Ein Schuldiger lässt sich also immer finden. Somit gilt das deutsche Stromnetz durchaus als das sicherste Welt. In Frankreich beträgt die sogenannte Blackout-Dauer laut der Welt beispielsweise 48,7 Minuten.

Zwei Tage bis zum Chaos in Berlin

Experten warnen schon seit geraumer Zeit vor der Aus- und Übernutzung der Stromkapazitäten und der damit verbundenen Abhängigkeit.
„Wenn der Strom großflächig ausfällt, bricht im Prinzip sehr schnell das öffentliche Leben zusammen.“
Davon ist Dr. Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe überzeugt. Die Hochschule für Wirtschaft und Recht hatte bereits 2011 in einer Studie ermittelt, dass es keine zwei Tage dauern würde, bis die Hauptstadt komplett im Chaos versinkt. Ähnliche Auswirkungen hätte lediglich ein Relegationsspiel um den Ab- beziehungsweise Aufstieg in die Bundesliga zwischen Union und Hertha. Die Hauptmann-von-Köpenick-Grundschule hat derweil mit einer Anpassung des Lehrplans auf die jüngsten Ereignisse reagiert: Ab sofort wird den Schüler und Schülerinnen in einer „Survival-AG“ beigebracht, wie man mit einfachen Mitteln ein Feuer macht und es auch unterhält. „Die Entdeckung und Beherrschung des Feuers war eine Triebfeder für die Entwicklung der Menschheit“, erklärt Schulleiter Ulrich Ziem, „höchste Zeit, dass diese Fähigkeiten auch von einer breiten Masse wieder erlernt werden.“

Broschüre zur Vorbereitung auf Stromausfall angekündigt

Die BEST-Sabel-Oberschule geht im wahrsten Sinne des Wortes sogar noch einen Schritt weiter: Hier stehen das eigenständige Lesen von Karten und die Navigation zu einem Treffpunkt ohne Smartphone neu auf der Agenda. Schulleiterin Martina Dietrich schwärmt von den neuen Lehrmethoden: „Das Wissen und die Kenntnisse zu vermitteln, um sich im Leben orientieren zu können, ist seit jeher unser Ziel. Sobald wir die aktuell noch fehlenden Schüler in der Stadt eingesammelt haben, ziehen wir ein erstes Fazit.“ Auch der Bezirk ist nicht untätig gewesen. Demnächst erscheint eine überarbeitete Broschüre für alle Haushalte mit Tipps, wie man sich auf einen Stromausfall vorbereiten kann. Die effektivste Methode: einfach keinen Strom benötigen und sich so unabhängig machen. Bezirksbürgermeister Oliver Igel erklärt, was er persönlich bald umsetzen möchte:
„Ein Glühwürmchen leuchtet je nach Art mit ungefähr 0,025 Lumen. Eine 40 Watt-Glühbirne, die 430 Lumen entspricht, lässt sich demnach schon mit 17.200 Glühwürmchen ersetzen.“
Netter Nebeneffekt: Die Larven von Glühwürmchen fressen Schnecken und halten damit jeden Garten 1A in Schuss.

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