hundehaufen

Ich höre sie häufig und aus allen Richtungen, die Loblieder auf unser schönes Friedrichshagen, ergänzt durch patriotische Sympathie- und Verbundenheitsbekundungen einzelner. Viele Leute leben gern hier, und zwar mit gutem Grund, wie ich finde. Ich selbst zähle mich durchaus auch zu der Gruppe der Friedrichshagen-Fans, aber ich habe Anlass zu fragen, wie weit es mit dieser Liebe zu unserem Ort tatsächlich her ist. Wo bleibt sie z.B. auf der Mikroebene der kleinen alltäglichen Handlungen und Unterlassungen?

Ich gehe sehr gern in Friedrichshagen und Umgebung spazieren, doch was ich dabei im Moment zu sehen bekomme, ist alles andere als eine Augenweide. Dreck und Müll verunzieren die Idylle allerorten. Auch nach längerem Nachdenken kann ich dies nicht als Ausdruck der so häufig ausgesprochenen Wertschätzung des Ortes verstehen. Denn jede fallen gelassene Zigarettenschachtel, jede Schokoriegelverpackung in den Grünanlagen und erst recht jeder unachtsam liegen gelassene Hundeschiss auf dem Gehweg sind nach meinem Verständnis ein Zeugnis von Geringschätzung und Gleichgültigkeit gegenüber der Umgebung in der wir leben und besonders gegenüber unseren Mit-Friedrichshagenern. Wem sein Umfeld egal ist, der ist sich damit auch ein wenig selbst egal.

Ich habe mich aus diesem Grund einer neuen Trendsportart verschrieben, die ich Nordic Trash-Walking nenne. Sie zählt zu den leichten Ausdauer- und Fitnesssportarten und kombiniert Bewegung an der frischen Luft mit der Aufwertung des näheren Wohnumfeldes. Jeder und jede kann sie für kleines Geld ausüben. Das erforderliche Equipment ist schon für weniger als drei Euro in lokalen Geschäften zu haben: ein Greifwerkzeug und eine Packung Müllbeutel genügen bereits.

Die Gelegenheit zum Einstieg ist im Moment besonders günstig, schließlich ist die BSR nach dem vergangenen Jahrhundertwinter hoffnungslos überfordert und personell unterbesetzt. Da kann man sich als Trash-Walker noch so richtig austoben. Mich führt meine Runde bevorzugt zu den öffentlichen Spielplätzen und Grünanlage in meiner näheren Umgebung. Dort sammle ich aufrecht stehend und ohne selbst schmutzig zu werden allerlei Fundstücke ein: Kronkorken, Glasscherben, Verpackungsreste etc. Entdecke ich zwischendurch noch eine kapitale Trophäe am Wegesrand, lasse ich die natürlich auch nicht ungeachtet liegen. So kehre ich nach ungefähr 30 Minuten – der Mindest-Trainingszeit für einen nennenswerten Cardio-Effekt – zufrieden und mit reicher Beute nach Hause zurück. Ich habe Sonnenlicht und frische Luft getankt, mein Kreislaufsystem gestärkt, den Bizeps und auch noch die Feinmotorik trainiert. Zudem ist mein geliebter Ort ein wenig sauberer als zuvor – das nenne ich mal einen Win-Win-Effekt.