Von der Norm zum Buch

bibliothek2 Deutschlands große neue Bibliothek in Friedrichshagen Es scheint überflüssig zu erklären, dass Friedrichshagen im Allgemeinen und mancher Friedrichshagener im Speziellen eine ganz eigene Verbindung zu Büchern und damit zur großen weiten Welt hat – und das nicht nur, weil es hier vor mehr als hundert Jahren einen illustren Dichterkreis gab und man in neuerer Zeit nun noch Dichter.dran an all der großen Literatur ist. Allein: Diese Tatsachen scheinen es nicht zu sein, was die Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor geraumer Zeit bewogen hat, den Entschluss zu fassen, für ihre aus allen alten Nähten platzenden Archiv- und Lagerräume Erweiterung zu schaffen. Auf einem Arial des ehemaligen Amtes für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung der DDR, kurz ASMW, wo bis 1990 Teile des Bereichs Messwesen ihr Zuhause hatten, entsteht in den kommenden Jahren eine „Speicherstadt“, die künftig einer der größten Bibliotheksstandorte Deutschlands werden soll. Wo am heutigen Grundstück Fürstenwalder Damm 388 vormals die TGL (Technische Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen) der DDR zum Maß aller Dinge in Konkurrenz zu den (west-) deutschen DIN-Vorschriften erhoben und kontrolliert wurde, soll ab dem Jahr 2011 ein Haus für sechs Millionen Bücher aus den Beständen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz entstehen, zu deren Einrichtungen unter anderem die Staatsbibliothek Berlin, das Geheime Staatsarchiv und die Staatlichen Museen zu Berlin gehören. Sechs Millionen Bücher, das sind aufgereiht zirka 36 Regalkilometer, vollgestellt mit mehr oder minder Lesenswertem auf Papier. Am 28. Januar diesen Jahres war Richtfest für das neue zentrale Magazingebäude der Staatsbibliothek, auf dessen 22.000 Quadratmetern Nutzfläche künftig unter anderem Abermillionen Bücher, unzählige Mikrofilme, Fotos und Kunstwerke eingelagert werden. Öffentlich zugängliche Besuchereinrichtungen wird es nicht geben, dafür wird der Bau jedoch ein begrüntes Dach erhalten sowie eine LKW-Rampe, wo mehrmals täglich ein Laster landet und startet, um zwischen den Bibliotheken der Innenstadt und dem Magazin in Friedrichshagen die bestellten Bände der Nutzer bei einer kalkulierten Fahrzeit von einer Stunde über die rund 25 Kilometer lange Strecke zu transportieren. Nach heutigen Planungen sollen am neuen Standort in Friedrichshagen 25 Bibliothekare ihre Arbeit aufnehmen und das neue Büchermagazin, in dem auch die DDR-Bestände des Hauses der Staatsbibliothek Unter den Linden, also Ankäufe von 1946 bis 1989, lagern werden, verwalten, sowie einen Teil der weniger nachgefragten Sammlungen des Hauses in der Potsdamer Straße als auch die Zeitungsbände betreuen, die bisher im Westhafen untergebracht sind. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erklärte in seiner Funktion als oberster Bauherr des Vorhabens den Neubau zu einer dringend notwendigen Ergänzung für die Staatsbibliothek, das Ibero-Amerikanische Institut sowie die Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte. Bereits mit dem Bau des ersten Hauses könnten die Bestände „in einer ihrer Bedeutung angemessenen Qualität für künftige Generationen bewahrt werden“, womit Friedrichshagen einen unermesslichen Zuwachs seiner ehedem unbestrittenen kulturellen Bedeutung erhalten dürfte. Im nächsten Bauabschnitt entstehen bis 2014 weitere Gebäude für die Staatlichen Museen, zentrale Depots und Werkstätten für die archäologischen Sammlungen und das Ethnologische Museum. Die Baukosten für den ersten Bauabschnitt betragen laut Aussagen der Stiftung rund 84,7 Millionen Euro. Diese Gelder werden hauptsächlich vom Bund aufgebracht. Wegen der hier entstehenden Zweckbauten, die keinen repräsentativen Charakter haben sollen, wie man bei der Stiftung betont, wird sich in den nächsten Jahren eventuell auch der eine oder andere Architektur-Tourist einfinden. Auf alle Fälle kann Friedrichshagen wieder einmal auf überregionale Aufmerksamkeit hoffen. Und diese Aufmerksamkeit wird – so hoffen wir – eine ausschließlich positive sein.
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