Ich kann nur Pogo
Landrat Gernot Schmidt im Interview

Ende September 2021 wählt der Landkreis Märkisch-Oderland seinen Landrat. Zur Wahl stellt sich auch der aktuelle Amtsinhaber Gernot Schmidt. Wir haben ihn zum Gespräch und Schachduell gebeten.

Mit 28 Jahren wählte Gernot Schmidt die Politik: Als ehrenamtlicher Bürgermeister übernahm er für seine Gemeinde Werbig Verantwortung für Mann und Maus vor Ort. Wie das so war, fragen wir. „Na das war die Wende.“, antwortet er und klingt dabei so unbeeindruckt, als hätte man das eben so gemacht, als junger Mensch im Jahr 1990.

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Der Oderbruch sei seine Region, sagt der Landrat, hier fühle er sich am wohlsten. Auch wenn diese sich in vielen Bereichen zur Wachstumsregion entwickelt habe und durch Zuwanderung viele neue Impulse, Debatten und Diskussionen bekam, behält man hier die Bodenständigkeit. Und das sei auch eine seiner Stärken, so Schmidt weiter.


In preußischer Tradition: Verantwortung übernehmen

„Das beste ist ja an der Kommunalpolitik, dass man am meisten von denen kritisiert wird, die am wenigsten selber zustande bekommen.“ – Das klingt nach einem Menschen mit reichlich politischer Erfahrung. Dabei sieht er sich selbst ganz klar als Arbeiter.

„Also ich sage mal, die Intelligenz der Menschen steigt nicht mit der Höhe der Position.“

Die Menschen aus seinem proletarischen Leben schätzen sich realistisch und sehr gerade ein, was in gewissen Positionen aber irgendwann verloren geht, erzählt der gelernte Agrotechniker und Meliorationsarbeiter.

Ein neues Wahlprogramm hat Gernot Schmidt noch nicht verkündet. Für ihn bleiben die Themen wie Mobilität, Bildung und Energiewende aktuell.


Vom Rufbus zur Bahn: Neue Ideen für den ÖPNV

Als Träger des ÖPNVs sei eine der wichtigsten To-Dos auf der Agenda die Aktivierung der Bahnlinien – der Ostbahn und Wriezener Bahn, so der 59-Jährige. Neben der Weiterfinanzierung der Straßenbahn. „Wir werden im nächsten Kreistag einen finanziellen Zuschuss beschließen müssen – und das ist eben ein Problem. Da steht die kommunale Ebene sehr oft alleine da, weil schienengebundener Verkehr sehr teuer ist.“ Aber auch neue Fahrradwege für Strausberg sollen kommen.

Apropos Infrastruktur: Auch das Thema Bildung darf hier nicht fehlen. Man habe als Landkreis in den letzten Jahren viel investiert, sagt Schmidt. „Neben dem Neubau der Förderschule werden zwei neue Oberschulen, ein neues Gymnasium in Strausberg und eine Gesamtschule in Hoppegarten gebaut“, führt er weiter aus. Auch wenn das Thema immer viel Emotionen freilege, sei der Schulentwicklungsplan einstimmig durch den Kreistag gekommen.


Ein Wort zu Klimaschutz und Umweltpolitik

Man beschäftige sich wenig mit den Fakten in Punkto Klimaschutz: 130% des Stromes, dass die Haushalte im Landkreis verbrauchen, kommen aus erneuerbaren Energien. Märkisch-Oderland sei einer der Landkreise in Deutschland, die die Energieumstellung und die Null auf der CO2-Rechnung geschafft haben, sagt der Landrat.

 „Schlimm ist nur dass die Bürger das bezahlen müssen – durch die Netzausbaukosten“, erklärt Schmidt. „Mein Anteil ist, die Prozesse so zu moderieren dass die Kommunalpolitik nicht blutend da rausgeht und die Menschen noch halbwegs Akzeptanz aufbringen können“.

Landrat Gernot Schmidt im Interview
Foto: M. Vorbau

Wolf, Biber und die Afrikanische Schweinepest

 Es ist keine einfache Angelegenheit: der Tierschutz. Im Landkreis Märkisch-Oderland sind vor allem Wölfe und die Afrikanische Schweinepest aktuell ein Problem.

„Und wir hatten Biber, ein ganz zentrales Thema. Wir waren ja – auch meine Wenigkeit – bahnbrechend im Bibermanagement in Brandenburg.“

Man bejage den Biber in Hochwasserschutzanlagen und Vorflutern, weil diese geschützt werden müssen.

Nichts Neues ist die emotional aufgeheizte Debatte um den Wolf: „Ich bin gegen eine Verschärfung der entsprechenden Gesetze. Es gibt eine ordnungsrechtliche Seite: also wenn sie zur Gefahr für die Menschen werden, dann müssen sie entnommen werden. Das muss man von der naturschutzrechtlichen Seite trennen und darf beide Dinge nicht vermengen“, so der Landrat. Der Umbau der Agrarlandschaften aufgrund der erneuerbaren Energien führe verstärkt dazu, dass mehr Biberpopulationen und andere Dinge auftreten, argumentiert er.


Lokale Lösungen statt schlechtem Management von Jens Spahn

„Die Landwirte sind natürlich sauer weil Landwirtschaft immer stärker ideologisiert wird und das ist ein zentrales Problem. Landwirtschaft wird bei uns nicht mehr als ein notwendiger Teil einer Volkswirtschaft angesehen, sondern als eine Spielwiese von Ideologen und darunter leiden viele“, fasst Gernot Schmidt die Lage aus seiner Sicht zusammen.

Der Beruf, den er selbst gelernt hatte, habe sich massiv verändert. Es gäbe immer stärkeren Druck auf die Landwirte aus der Gesellschaft heraus. Die Landwirte dagegen sind mit ihren Produkten am Weltmarkt und hätten begrenzten Spielraum.

Dass man Lösungen im Landkreis finden kann, zeigte die Handhabe während der Corona Pandemie. 11 Ärzte hatten schon im März freiwillig im Landkreis mit den Corona-Schutz-Impfungen begonnen, was beim KVBB jedoch auf Missmut traf. 

„Das schlechte Management in dieser Pandemie in Deutschland hat mit den strukturellen Fehlentscheidungen dieses Ministers [Spahn] zu tun. Der KVBB ist ein Lobbyverband, der ist nicht geeignet, solche Maßnahmen umzusetzen. Sie können es nicht.“

sagt Schmidt und die Zahlen scheinen ihm Recht zu geben: Wir sind der Landkreis, der mit die höchste Impfquote in Deutschland hat, weil wir ja eigenständig schon weit mehr als 30.000 Menschen geimpft haben, neben den kassenärztlichen Impfungen und den Impfungen in den Impfzentren“, erklärt er.