Punk küsst Zirkuspferd
Demnächst in Ihrer Oper – The Metafiction Cabaret

„Wat isn ditte?" fragt man sich im ersten Moment, wenn einem zwischen Konfetti, verschnörkelten Kostümen und zirkusähnlicher Atmosphäre die Kapelle THE METAFICTION CABARET zum ersten Mal über den Weg läuft. Eine pikante Mischung aus queerem Punk, Jahrmarkt, Zirkus und einer beabsichtigten Prise brechtschem Theater ist die knappste Antwort, die den vielen Facetten der Combo aber auch nur annähernd gerecht wird…
Foto: Anne Sturm

Gefunden hat sich die Band 2013 bei der Eröffnungsveranstaltung eines gemeinsamen Theaterprojekts zur Vernetzung der freien Künste. Während die meisten Aspekte von klassischem, griechischem Theater, Sartre und Sarah Kane auf der Veranstaltung vertreten waren, fehlte Schauspielerin Johanna und Kollegen Marc ein Beitrag im Sinne Brechts. Also schnappten sie sich kurzer Hand ‘Tasten-Engel’ Kai und arrangierten, texteten und probten in nur zwei Tagen ‘die Ballade der mittellosen Kunst’.

„Punk von der Straße ins Theater und vom Theater in den Punkkeller.“

Durch den Erfolg der Ballade und den Spaß während der fruchtbaren Zusammenarbeit entstand THE METAFICTION CABARET. Nach einigen wechselnden Drummern stieß dann Horrorpunk-Schlagzeuger Richard als festes Mitglied dazu und komplettierte das Quartett. Nach der Ballade ging es Schlag auf Schlag. Neue Songs entstanden, und der erste große Gig im Kabarett-Theater Distel stand bevor. Kurz darauf spielten sie bereits vor den feiernden Ferienkommunisten des Fusion-Festivals und auf CSDs in Stuttgart, Leipzig, Nürnberg & Essen.

Ob auf einer Theaterbühne oder zwischen feiernden Festivalbesuchern, die Band passt überall. Und nirgendwo. Übertragen soll sich das auch auf die Zuschauer. Ein bunter Haufen auf und vor der Bühne. Inklusion als Konzert und Konzert als Performance. Dass das Konzept aufgeht zeigt sich, wenn die Band nach einer 8-stündigen Autofahrt zu einem Auftritt eines Theaterfestivals in Frankfurt eilt, sich auf dem Weg zur Bühne schminkt und kurz darauf von einer jubelnden Menschenmasse empfangen wird, die dann noch nicht einmal aufhören will, die Songs mitzusingen.

Ihr 2016 erschienenes erstes Album INFAMOUS ATTRACTIONS wurde vollständig durch Crowdfunding, also durch ihre Fans, finanziert. Gedankt wird ihnen mit einem schier endlosen Output an Produktionen. Neben Videos zu den Single-Auskopplungen ihres Albums gibt es Helloween-Specials, Making-Ofs, eine Mini-Serie und ein Weihnachtshörspiel. Alles in Eigenregie, ohne Label und nur mit Hilfe des heimlichen fünften Mitglieds Anne, welche sich um den visuellen Auftritt auf Fotos und in Videos kümmert. All dies trägt dazu bei, dass die Band trotz ihrer diversen Gesichter einen eigenen, unverkennbaren Anstrich hat, der auch in den Songs immer zum Vorschein kommt.

„Auf der Theaterbühne oder zwischen feiernden Festivalbesuchern, diese Band passt überall. Und nirgendwo.“

Geprobt wird, sofern es der Kalender zulässt, in Lichtenberg, wobei zuerst Platz geschaffen werden muss, da neben Instrumenten sämtlicher Fundus an Kostümen, Requisiten und Utensilien ebenfalls dort gelagert wird. Ursprünglich wurde der Proberaum mit einer anderen Band geteilt, die ging dann aber wohl irgendwo, irgendwie im Fundus verloren und so hat man den heimelichen Ort nun exklusiv für sich und kann sich ungestört den Soundtüfteleien hingeben. Und getüftelt wird tatsächlich. So sind neben Klangspielereien am Klavier, einem Satz Bläsern, bereits eine Tasse und ein fallender Sack Erde in den Songs verbaut. Eine singende Säge soll sich ebenfalls dazu gesellen.

Nach der Tour, der Veröffentlichung ihres neuen Albums BEAUTIFIC CHARMS im Oktober und diversen Videodrehs steht im November die große Premiere ihrer eigens umgeschriebenen Oper UTOPIA LTD. auf dem Plan.

In Zusammenarbeit mit dem Schlossplatztheater Köpenick, weiteren Künstlern wie Opernsängern und Artisten wird das Werk in den Reinbeckhallen in Schöneweide zu sehen sein. Den Ursprung hat das Stück in einer Savoy-Oper der Engländer Gilbert & Sullivan, welche im Jahr 1893 uraufgeführt wurde. Unter anderem aus Produktionskosten war das arabeske Stück damals nicht oft auf den Bühnen zu sehen. Die Herstellung der Kostüme war einfach zu aufwendig. Challenge accepted – wer anders als THE METAFICTION CABARET wäre geeigneter für eine Neuauflage?


13.11.2019 – PREMIERE der Oper UTOPIA LTD. in den Reinbeckhallen.
Weitere Aufführungstermine: 14.-17.11. und 21.-24.11. 2019

Björn Hofmann
Ein Beitrag von

Typophiler Printjunkie mit 6. Dan in Code-Ninjutsu und ausgeprägter Fahrradmacke, derzeit sesshaft im heimelichen Maulbeerblatt.