johndeacon
Als seine Bandkollegen Roger Taylor und Brian May mit Teenie-Idol Robbie Williams „We will Rock You“ zum Besten gaben, war einer nicht sonderlich begeistert. John Deacon, Bassist der Band Queen ist das fehlende vierte Rad, will man den alten Karren wieder zum Rollen bringen. Doch Deacon weigert sich beharrlich. Sicherlich, für das 1991 an Aids verstorbene Ausnahmetalent Freddie Mercury wird kein adäquater Ersatz zu finden sein, doch möglicherweise hat John Deacon, von 1971 bis zur Bandauflösung Bassist von Queen, mehr als nur den Frontmann seiner Band zu betrauern. Alle drei lebenden Mitglieder von Queen beteuern, nicht nur musikalisch war Freddie eine herausragende Persönlichkeit. Auch besitzt Deacon ein ansehnliches millionenschweres Vermögen, mit dem unterm Kopfkissen muss man keinen Finger mehr krumm machen und auf Reunion Tour gehen wie die anderen Größen vergangener Epochen. Auch ist Deacon kein so außergewöhnlicher Musiker, dass man nicht auf ihn verzichten könnte. Man kann in vieler Hinsicht mutmaßen, warum John Deacon nicht mehr will. Den wahren Grund kennt nur er selbst.

John Richard Deacon kam 1951 in Leicestershire zur Welt. Bis zu seinem 11. Lebensjahr verbrachte er viel Zeit mit seinem Vater, der sehr früh starb. Schon früh fing er an, Gitarre zu spielen, war von den Beatles inspiriert. Mit 15 gründete er seine erste Band The Opposition, bei der er erst Rhythmusgitarre spielte, dann aber an den Bass wechselte, weil sein Vorgänger es nicht brachte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Elektroniker und verließ die Band, da er einen Studienplatz in Elektrotechnik bekam. Die Musik trat einen Schritt zurück und John wurde nach dem Studium Lehrer. Als er bei einem Konzertbesuch auf Taylor und May traf, die einen neuen Queen-Basser suchten, wurde schnell klar, dass Deacon der Mann der Stunde war. Als studierter Elektriker zeichnete er neben dem Bassspiel auch mitverantwortlich für die Bandtechnik, entwickelte den Bandsound mit und baute Verstärkeranlagen. Er selbst verlässt sich auf Klassiker von Leo Fender, spielt Precision Bass und gelegentlich einen Musicman Stingray. Bodenständiger als seine Bandkollegen, kümmerte er sich nach ersten finanziellen Problemen der Queen auch um die geschäftlichen Angelegenheiten. John Deacon war das jüngste Mitglied von Queen. Er war stets zurückhaltend, wortkarg und schüchtern. Auch nach 13 Jahren bei Queen bezeichnete er sich noch als Der Neue, was nicht heißen soll, dass er auf der Bühne weniger brachte als die Kollegen. Nur gesanglich fühlte er sich seinen Freunden nicht gewachsen. Es gibt keine Studioaufnahmen, bei denen er zu hören ist. Live ließ er sein Mikro immer leiser einstellen. Leidlich trug er die schrillen Choreografien und Bühnenoutfits mit und auch frisurlich lag er bei Queen im Bandtrend. Kompositorisch auch eher mäßig an den Songs beteiligt, schrieb er unter anderem einen der größten Hits von Queen „Another One Bites the Dust“ der von der Basslinie des Funk-Klassikers „Good Times“ von Chic inspiriert ist. Seine Songs sind merklich einfacher im Aufbau und weisen in die Disco-Ära von Queen. Bassisten haben oft eine Affinität zur Tanzmucke. Neben Queen waren John Deacon und seine Kollegen Roger Taylor und Brian May auch als Studiomusiker sehr gefragt. So hinterließen die Jungens Spuren auf Alben von Elton John. Nach dem Tod von Freddie spielte John nur noch drei Konzerte mit Queen. Er toleriert, dass der Rest der Band unter dem Namen Queen und Paul Rodgers weiter firmiert, und doch erklärt er seine eigene musikalische Karriere für beendet. Schade eigentlich, aber er muss ja wissen, was er tut. Ist ja schließlich alt genug, der Neue …

Bilder: fanpop.com

 


Holger Claaßen

Ein Beitrag von Holger Claaßen

Berliner Schnauze. Professioneller Spaziergänger, der seine Streifzüge auch als Taxifahrer unternimmt. Ist mit sämtlichen Kiezgrößen bekannt und selbstverständlich EISERN. Motto: „Watt isn los Mausebeen?“ (Zum Chefredakteur)