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Bevor sie weiter lesen, halten sie bitte kurz inne: Was fällt Ihnen bei dieser Überschrift ein?
Je nach dem ob sie eine Frau oder eine Mann sind assoziieren sie da wahrscheinlich Unterschiedliches: als Mann vielleicht so etwas wie: „Mag ja sein, aber ich brauch so was nicht um guten Sex zu haben. Das wird meine Frau bestätigen.“ Frauen vielleicht: „Yoga würde meinem Mann auch mal gut tun, vielleicht würde unser Sex dann schöner werden.“
Auch wenn diese beiden möglichen Aussagen etwas Stereotypes anhaftet, deuten sie doch auf eine Tatsache, welche zwar unmittelbar ersichtlich, jedoch in ihren Auswirkungen auf unser tägliches Leben alles andere als banale Konsequenzen zeitigt: Männer und Frauen sind- aller Emanzipation zum Trotz- fundamental unterschiedliche Wesen.
Yoga bietet eine unorthodoxe als auch radikale Sichtweise auf das Spiel der Geschlechter an, welche ich hier stark verkürzt wiedergebe:
Frauen haben demnach die Fähigkeit, Männer zu durchschauen. Das ist nicht wirklich verwunderlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es schließlich auch Frauen sind, die Männer erschaffen. Nun gibt es eine stille Übereinkunft unter Frauen, dies den Mann nicht wissen zu lassen, mehr noch: ihn im Glauben zu lassen, er hätte alles im Griff, denn die Schale des männlichen Egos ist dünn, ein Riss schwer zu kitten. Manchmal freilich halten Frauen diese Fähigkeit so geschickt vor sich selbst geheim, dass sie den Kontakt damit verlieren.
Für Männer scheint es ungleich schwieriger, manche behaupten sogar unmöglich, zu verstehen, wie Frauen wirklich „ticken“. Männer sind nämlich in Bezug auf Frauen innerlich zutiefst verunsichert. Wie ungünstig, dass eine Frau gerade Sicherheit von einem Mann braucht, um sich zu öffnen und sich ihm hingeben zu können. Der Mann der sich von seiner Frau eben diese Offenheit und Hingabe wünscht, bekommt diese nur dann, wenn er die innere Sicherheit ausstrahlt, die er selber nicht hat. Anstatt dessen versucht er seine Unsicherheit mehr oder weniger erfolgreich damit zu kompensieren, äußere Sicherheiten zu schaffen (mein Haus, mein Auto, mein Bankkonto) oder er beginnt sein Gefieder zu spreizen bspw. indem er mit 5 Bällen zu jonglieren beginnt und allerlei Kunstfertigkeiten aufführt, wenn eine attraktive Frau den Raum betritt. Doch auch Frauen spielen ihre Rolle in diesem Spiel. U.a. aus Angst, ihren potentiellen Märchenprinzen zu verlieren, spielen sie das Spiel des Mannes mit, was ihn wiederum darin bestätigt, dass seine Wirkung seiner feinherben Männlichkeit zuzuschreiben sei. Ist es nicht interessant, dass es immer Frauen sind, die Orgasmen vortäuschen. Einem Mann ist dies meines Wissens noch nie geglückt.
Letztlich scheint es der kosmische Scherz der Unvereinbarkeit der Geschlechter zu sein, aus dessen Dynamik und Spannung sich seit Jahrtausenden die Bühnenbilder formen, vor deren Hintergrund sich unsere Beziehungen und auch unsere Sexualität entfaltet.
Die Polarität dieser Dynamik lädt unsere Beziehungen auf und entlädt sich u.a. durch Sex. Hier wirkt die primärste Kraft, die alles Leben durchströmt. „Shakti“ oder „Kundalini“ genannt ist es kreative Energie im ursprünglichsten Sinne. Damit wird Sexualität zum grundlegendsten „schaffenden“ Akt, zu dem wir Menschen fähig sind und weißt auf das kreative Potential, das jedem Menschen innewohnt.
Die Verbindung zu diesem Potential liegt in uns. Denn auch in uns existieren mannigfaltige Polaritäten. Ihre Spannung macht uns lebendig. Yoga bedeutet „Verbindung“ und damit ist eine Verbindung ebendieser Polaritäten in uns gemeint. Yoga ist gewissermaßen eine Verabredung mit uns selbst. Sind wir dann gut mit uns selbst in Verbindung, verschwinden die Spiele der Geschlechter nicht. Vielmehr werden sie jedoch transparenter und wir selbst erleben uns weniger als emotionaler Spielball ebendieser inneren und äußeren Prozesse. Vielleicht können wir dann wahrlich beginnen miteinander zu spielen und Sex verliert etwas von der kulturell aufgeladenen Bedeutung die wir ihm geben und gewinnt etwas von seiner Unschuld zurück. Make love not war!