goldmannpark

Aus Consin wird Goldmann Park

In schöner Regelmäßigkeit verkünden Bands auf der ganzen Welt und unabhängig vom musikalischen Genre ihren Fans eine Entscheidung, die zunächst nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgt. Gemeint ist nicht etwa die Auflösung, sondern der Wunsch nach einer Weiterentwicklung. Für den langjährigen Anhänger, der am liebsten noch zehn Alben derselben Machart seiner Lieblingsscheibe serviert bekommen möchte, statt sich auf vorerst ungewisse akustische Expeditionen zu begeben, bricht da womöglich eine Welt zusammen. „Dabei ist das ohnehin keine Entscheidung, die man mal eben so von heute auf morgen trifft“, erklärt Denis, seines Zeichens charismatischer Sänger von Goldmann Park. Moment mal: Goldmann Park? Wer mit diesem Namen (bislang) nichts anfangen kann, steht damit nicht allein da. Schließlich hieß die Band aus Friedrichshagen bis vor Kurzem noch Consin, hat allerdings inzwischen besagte Weiterentwicklung deutlich erkennbar vollzogen. Aber der Reihe nach.
Ende des Jahres 2003 finden sich Consins „Gründerväter“ Fabian (Bass) und Denis (Gesang) zusammen, um gemeinsam ihre Vorstellung von Musik zu verwirklichen. Gut zwölf Monate später stößt Chris (Gitarre) hinzu. In Timm (Gitarre) und Tom (Schlagzeug) gewinnt man nochmals zwei Jahre später weitere Mitstreiter und damit die fehlenden Teile in einem ganz eigenen Berliner Al-ternative-Puzzle. Gemeinsam spielen sich die fünf Ostberliner, die auch privat unzertrennbar schei-nen, durch gefühlt jeden Club der Hauptstadt. Bis zur ersten Veröffentlichung dauert es allerdings eine Weile: 2007 ist endlich eine namenlose Debüt-EP erhältlich. An Songmaterial für mehr mangelt es freilich nicht. Eher am lieben Geld für die teure Produktion ohne zahlungskräftiges Management im Rücken. Bekanntheit erlangen die jungen Musiker dennoch über ihre leidenschaftlichen Live-Auftritte. Consin begeistert mit purer Energie und authentischen Gefühlen. Eine Mischung, die bei den Fans von Anfang an gut ankommt und dafür sorgt, dass die Beziehung zwischen der Band und den Anhängern bis heute eine besonders enge ist. Neben Studium und Beruf ziehen die fünf Freunde fleißig weiter von Bühne zu Bühne und machen sich damit einen Namen. In der Szene ist man wer. Im August 2011 erscheint schließlich die zweite EP „The Waves Ahead“ und bereits ein Jahr darauf das Album „Brink of Unity“.

Mit dem Album verabschiedet sich zwar Urgestein und Bassist Fabi aus der Band, in Person von Mauritz ist aber schnell jemand gefunden, der die Lücke schließt. Zwar genießt Consin vorerst den verdienten Lohn nach der harten Arbeit an der LP (Höhepunkt ist wahrscheinlich ein Konzert in 2012 vor mehreren tausend Menschen auf der Hutbergbühne Kamenz als Vorband von den Puhdys), doch alsbald zeichnet sich ab, dass man mit der Veröffentlichung auch ein musikalisches Kapitel beendet hat. „Natürlich will man sich als Künstler ständig verbessern und Neues ausprobieren“, stellt Denis fest, „und nach dem Album war es einfach an der Zeit, eine andere Richtung einzuschlagen.“ Nach acht Jahren Consin vollzog man nun also den radikalen Wechsel mitsamt Namensänderung. Unter anderem ist man weg von englischen Songs, hin zu deutschen Texten, die für die Musiker viel intimer und ehrlicher erscheinen. Es wird dunkel, tanzbar und elektronisch. Nicht mehr dabei sein wird künftig Gitarrist Timm, der im Guten ausgestiegen ist. Ein Ersatz ist aktuell nicht vorgesehen. Als Consin will die Band nicht mehr auftreten, um bewusst einen Strich unter alles bislang Gewesene zu ziehen und Distanz aufzubauen. Das nächste Album ist bereits in Arbeit und bezieht seine Inspiration aus einer Mischung aus Synth-Pop, Alternative und 80er Jahre Rock.

Am 17. Mai spielt Goldmann Park erstmals unter dem neuen Namen im Bi Nuu am Schlesischen Tor. Die Veranstaltung, bei der auch weitere Indie-Rock-Bands wie Mega! Mega! und 8-Bit Chess Club auftreten werden, läuft unter dem Titel „Randale und Liebe“ – für die Band aus Friedrichshagen offensichtlich nicht der unzutreffendste Titel.

Goldmann Park im Bi Nuu am 17.05. ab 19:30 Uhr, Am Schlesischen Tor, Tickets bei Koka 36: 10 € zzgl. Vvkgeb., AK: 15 €


Daniel Lehmann

Ein Beitrag von Daniel Lehmann

Sieht sich selbst gern als Hobby-Philosoph und Möchtegern-Weltverbesserer, ist offiziell aber eher als freischaffender Journalist und Autor unterwegs. Irgendwas mit Kultur studiert er auch noch. Zitat: „Lieber den Spatz in der Hand als ein Griff ins Klo.“