Vorm Matt gibt´s Müsli

Stellen Sie sich vor, Sie rätseln heute über die Züge eines Großmeisters und sitzen morgen am Frühstückstisch neben ihm! Mit dieser Werbebotschaft sorgen Schach-Funktionäre gerade für volle Hütte im Maritim Hotel (Tiergarten). Dort finden vom 29. April bis 1. Mai die letzten drei Runden der 1. Schach-Bundesligen (Männer und Frauen) statt. Insgesamt 28 Teams, mehr als 70 Großmeister, darunter auch Top-Ten-Spieler, fast allesamt einquartiert im Nobel-Kasten mit seinen 505 Zimmern. Fans aus ganz Deutschland dürften sich sicher darauf freuen, das Schach-Happening (Tageskarte neun Euro) mit einer Berlin-Visite zu verbinden. Was jedoch das Frühstück angeht, da sollte sich keiner Illusionen hingeben. Auch Großmeister sind in aller Regel Morgenmuffel, die häufig gequält von Reisestrapazen oder dem Kater vom Vorabend erstmal zu Kräften kommen müssen. Kaffee, Tee, Milch, Orangensaft, je nach Herkunft Brötchen, Croissants, Müsli, Eier, Traubenzucker, Aspirin. Keine großen Überraschungen also. Die heben sich die Damen und Herren für später auf, wenn sie wieder Könige und Bauern in Händen halten. Ex-Weltmeister Vishy Anand (47, aus Indien) und seine Helfer sind da ein gutes Beispiel. Beim WM-Kampf 2012 in Moskau erschien im Frühstücksraum zuerst Anands Chef-Berater (im Adidas-Trainingsanzug). 20 Minuten danach folgte der korrekt gekleidete Anand selbst noch vor den anderen Betreuern. Was für eine wortkarge Distanziertheit! Alle nickten sich nur kurz zu und setzten sich schweigend weit voneinander entfernt an getrennte Tische.  

Murey-Shatskes, UdSSR 1963, Schwarz am Zug setzt matt.

Auflösung (#101): 1. Lg7 Kg7, 2. Dg6 Kh8 3. Tf7 Dc3 4. Tf8 Sf8, 4. Dg8 matt.


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