Überforderung des Publikums

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Alf Ator gewährt einen seltenen Einblick in sein Universum

Er ist ein Weltbürger aus Köpenick, ein Prophet, ein Philosoph, ein unermütlicher Fragensteller nach den kleinen und großen Wundern des Lebens, er ist ein Menschenfreund, ein Mysterium, er ist einer von Knorkator, er schreibt und zeichnet für das Maulbeerblatt – sein Name: Alf Ator. Wer seine monatlichen Beiträge liest weiß es längst, der Mann mit dem markanten Pferdeschwanz macht um sich selbst nur wenige Worte. Erst nach einigem Zögern lässt er sich entlocken, wo sein eigenes Selbstverständnis ihn verortet. Dereinst möge ihm der Nachruhm einen Platz zwischen Bach und Leonardo Da Vinci einräumen. Zuviel verlangt? Ganz sicher nicht. Wie kein anderer versinnbildlicht Alf Ator die Zerrissenheit der menschlichen Kreatur. Mit zwei guten Vorsätzen startete er ins neue Jahr: „Ich will Vegetarier werden und ich möchte weniger Kohlenhydrate essen!“ Diese Ambivalenz kennzeichnet sein gesamtes Schaffen im Spannungsfeld zwischen Deutschlands meister Band der Welt – Knorkator – und Alf Ator, dem Unterhaltungskünstler als kostbarem Einzelstück. Auf beiden Wegen schreitet er voran. Im vergangenen Jahr meldeten sich Stumpen, Basti und Alf mit einem furiosen Konzert auf der Bühne zurück. In der Spandauer Zitadelle ließen sie im Vorprogramm Knorkator- Hits zur Aufführung bringen, unter anderem von einer Swing-Band, aber auch in klassischem Gewand von einem Damen-Sextett. „Ausziehen! Ausziehen!“ war die lautstarke Forderung einiger hartgesottener Fans. Die Kunstsinnigkeit des Knorkator-Publikums könnte womöglich noch weiter verfeinert werden. Was wäre dazu besser angetan, als ein neues Album? In den nächsten Wochen und Monaten wird Alf Ator in sich gehen, um mit frischen Songs herauszukommen. Nach einigen Live-Darbietungen auf robusten Rock- Festivals werden sich Knorkator dann im Herbst ins Tonstudio zurückziehen. Dort wollen sie miteinander etwas Großes erschaffen.

Gleichzeitig und nicht nebenbei gibt es das aktuelle Soloprogramm „Alf Ator of Death“, das den fröhlichen Herrn der Finsternis in der Rolle seines Lebens zeigt. Der Künstler pflegt auf der Bühne den Dialog mit sich selbst. Wenn seine Stimme vom Band erklingt, beantwortet er sein Fragen und wenn sein zweites Ich in der Tonkonserve zu musizieren beginnt, dann stimmt der stämmige Kerl im wallenden Gewand kraftvoll ein. Durch die Interaktion mit dem Publikum wird das ganze Spektakel auf die Spitze getrieben. Die Zuschauer sind ein fester Bestandteil jeder Ator-Show und so ist nichts in eine feste Form gegossen, so wird das Programm ständig verändert und weiterentwickelt und so ist am Ende einer Tournee alles anders und vieles neu. Ein universeller Grundsatz gilt dabei jedoch immer: „Die Überforderung des Publikums ist sehr wichtig.“ Dieser Maxime folgend gab er jüngst ein Gastspiel auf der britischen Insel und wenn die Leute dort auch nur zehn Prozent des Atorschen Wortwitzes verstanden haben, hatten sie mit Sicherheit einen unterhaltsamen Abend.
Bittet man Alf Ator um eine persönlichen Einschätzung der politischen Lage, dann wird er nachdenklich. Als Künstler fällt es ihm spürbar schwer, sich in diesen Sumpf hinabzubegeben. In Zeiten der wirtschaftlichen Krise würde er sich wohl wünschen, dass jemand klarer die Risiken benennt. Seine eigenen Prognosen sind düster. Dennoch ist er kein Pessimist. Jüngst sah er „Expanpendalbles 2“ und als sich die Helden von Feinden umzingelt in auswegloser Lage wiederfanden, erschien Chuck Norris auf der Bildfläche und alle waren gerettet. Das hat auch Alf Ator Zuversicht gegeben.


Sebastian Köpcke
Ein Beitrag von

Grafiker, Illustrator, Kuriositätensammler und Ausstellungsmacher. Geistiger Vater von Müggula, dem Biest aus dem Müggelsee, und anderen schlimmen Abscheulichkeiten. Zitat: „Nicht über unseren Köpcke hinweg.“


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