Bildschirmfoto 2015-05-05 um 14.16

Nach zwölf Jahren Weltreise bastelt Stehaufmännchen und Tausendsassa Alexander Heene wieder an einem Traum – obwohl der letzte furchtbar böse endete. Alles eine Frage der Perspektive?

Jetzt, wo das Wetter so langsam etwas wie Sommer ankündigt, tut sich was in der Stadt. Die Menschen lachen mehr, bleiben länger draußen und genießen die Sonne. Für Alexander Heene kommen die warmen Tage genau im rechten Moment. Der erst vor zwei Monaten frisch ernannte Geschäftsführer vom Schlosscafé Köpenick schraubt seit geraumer Zeit an einem umfangreichen Konzept, mit dem er nicht nur die üblichen Altstadt-Touristen anlocken möchte, sondern auch Ortsansässigen wieder ordentlich Appetit auf Genuss machen will. „Wir haben unter anderem hausgemachte Kuchen, Torten und Eis auf die Speisekarte genommen und hoffen, dass es da eine Resonanz gibt“, erklärt der gebürtige Köpenicker. Dabei soll es allerdings nicht bleiben. Für den 18. Juni ist beispielsweise „Das weiße Menü“ geplant; ein Abend, an dem es nur weiße Speisen und weiße Weine geben wird – und die Gäste hoffentlich auch in weißer Garderobe erscheinen. Neben kulinarischen Höhepunkten ist dazu ein Unterhaltungsprogramm vorgesehen.

„Das geht schon Richtung Event-Gastronomie. Aber wenn das der Weg ist, warum nicht. Die Hauptsache ist doch, dass es allen Spaß macht“, betont der 49-Jährige. Wenn man Alexander Heene so zuhört, erlebt man einen nach außen ruhigen Menschen, der seine Worte genau abwägt. Spricht er jedoch von seinen Plänen mit dem Schlosscafé, ist die Begeisterung spürbar. Dabei endete sein letzter Traum in der Gastronomie weitaus weniger erfreulich. 2002 musste er als Betreiber der freiheit fünfzehn in Insolvenz gehen.

Schon damals wollte er mit einem guten Mix aus einer gehobenen mediterranen Küche und kulturellen Veranstaltungen Reize schaffen. Nach einem ansehnlichen ersten Jahr blieben die Gäste jedoch zunehmend aus – trotz einer Location, die mit Bar, Biergarten, Theater und Restaurantschiff eigentlich keine Wünsche offen lässt. Heene macht den Misserfolg rückblickend an mehreren Faktoren fest.

„Ich habe vornehmlich Sachen angeboten, die mir selbst zusagten, und weniger, was allgemein verlangt wurde. Gängige Speisen liefen gut, doch Neues hat schwer Fuß gefasst. Meine Vision war eher ein Tunnel.“ Teil dieser Vision war für ihn unumstößlich auch der ehemalige holländische Frachtensegler, den er 1999 für einen Millionenbetrag in „ars- Vivendi“ (lateinisch für Lebenskunst) umtaufte und nach Berlin schleppen ließ. „Aus heutiger Sicht eine große Fehlinvestition“, meint Heene schmunzelnd.

Nach der Insolvenz zog es ihn ohne konkretes Ziel ins Ausland. Er verbrachte längere Zeit in Costa Rica, Portugal, Israel, Kuba, Thailand, Indien, Kanada und etlichen weiteren Ländern. Insgesamt bereiste er über zwölf Jahre den Globus. Existenzängste kannte er trotz der „speziellen Erfahrung“ mit der freiheit fünfzehn dabei nie. Irgendeine Arbeit ließ sich schließlich immer finden. In Indien absolvierte er sogar eine Yoga-Ausbildung und praktizierte anschließend als Lehrer.

„Der Drang zu entdecken ist bei mir stets größer als die Angst vor neuen Dingen“, erklärt er, „außerdem hatte ich während meiner Reise so die Möglichkeit zu erkunden, was ich wirklich will. Welchem Impuls folge ich? Höre ich auf mein Inneres oder auf das, was von außen kommt? So gesehen bin ich heute dankbar für die Insolvenz.“ Trotzdem verlor Heene niemals die Heimat aus den Augen. Jede Kultur hat ihre eigene spannende Identität, stellte er fest, doch letztlich sehnte er sich nach dem Bekannten.

Dass er nach seiner Rückkehr wieder in die Gastronomie einsteigen würde, stand außer Frage. „Etwas anderes kann ich doch auch gar nicht“, gibt Heene lachend zu. Zwar absolvierte er seiner Mutter zuliebe in der DDR eine Ausbildung zum Heizungs-Installateur, wusste aber vom ersten Tag an, dass er in diesem Beruf nicht arbeiten möchte. Um ohne Abitur doch noch Maschinenbau studieren zu können, ging er daraufhin anderthalb Jahre zur Armee, bekam aber während dieser Zeit eine Absage von der Hochschule. Kurzerhand begann er mit 21 Jahren beim Gestaltungskollektiv kreativ zu arbeiten. Ab 1987 trat er als Inhaber eines Ateliers mit „The Tailors“ bei Theater-Modeschauen auf, musste aber für die Volkssolidarität Essen ausfahren, um das bezahlen zu können.

Nach der Wende nutzte er die Aufbruchstimmung und war eine Weile mit zwei Videotheken erfolgreich. „Es gab einen Mangel an Unterhaltung – die Leute wollten den Westen inhalieren“, erinnert sich Heene. 1998 folgte dann der Schritt in das Gastgewerbe, er beteiligte sich mit anderen am Bräustübl in Friedrichshagen. Bis hierhin liest sich sein Werdegang wie eine Ost-Variante von Forrest Gump – einer, der sich loslöst von allen Zwängen und glücklich ist mit dem, was ihm Spaß macht.

Auch mal zu stolpern, gehört aber zum Leben dazu. „Als das Angebot für das Schlosscafé kam, habe ich mich gefragt: Kollabiere ich jetzt oder begreife ich das als neue Chance? Ich hätte auch weiter auf dem Himalaya meditieren können, aber das füllt mich nicht aus.“

Schloss Café, Schlossinsel, 12557 Berlin, T. 65 01 85 85, info@schlosscafe-koepenick.de
Foto: Matthias Vorbau


Daniel Lehmann

Ein Beitrag von Daniel Lehmann

Sieht sich selbst gern als Hobby-Philosoph und Möchtegern-Weltverbesserer, ist offiziell aber eher als freischaffender Journalist und Autor unterwegs. Irgendwas mit Kultur studiert er auch noch. Zitat: „Lieber den Spatz in der Hand als ein Griff ins Klo.“