Manchmal wäre es den Kids von Lil`Bouncers an so einem heißen Sommertag auch lieber, an den Strand hinunter zu gehen. Nach der Schule ein bisschen abhängen, die Wellen kommen lassen und bloß nicht bewegen. Aber sie sind hier im Bölscheclub, Kids im Alter von neun bis 16 Jahren. Sie wollen tanzen nach der Musik von RNB oder auch Black. Nur Sophie fehlt heute. Hausarrest, so etwas gibt es noch.

Die Tänzer nehmen Aufstellung in einem sehr kleinen Raum. Er ist vielleicht sechs mal sechs Meter groß und eine Seite davon liegt auch noch voll mit Matten und Kram. Eigentlich hingen auch mal richtige Spiegel an der Wand, wie im Nebengebäude, in dem Tanzraum für die größeren Kids. Aber seitdem hier drinnen auch noch Fußball gespielt wird, vor allem im Winter, hängt dort stattdessen nur noch eine Spiegelfolie. Die Bewegungen scheinen sich darin aufzulösen, verschwimmen, als ob sich die Tänzer verwandeln. Plötzlich wird aus der kleinen übermütigen Mercedes ein cooler Straßengangster, der sich gleich mit seinem Gegenüber, der liebreizend aussehenden Ira, in eine Schlägerei verwickeln wird. Abrupt endet der Tanz, die Musik bricht ab. Samira schüttelt den Kopf „Ihr könnt hier nicht so lasch machen, wenn ihr so tut, als ob ihr euch schlagt. Das kommt nicht so cool.“

Samira Liebscher ist gerade mal 20 Jahre alt. Sie bringt den Kids im Bölscheclub Streetdance bei und ein bisschen Hip Hop. Seit ihrem fünften Lebensjahr tanzt sie selbst. Anfangs, im FEZ, war es Ballett, später kam Moderndance und Jazzdance hinzu. Im Bölscheclub dann Streetdance und Hip Hop. Mit 16 fragte man sie, ob sie den Tanzkurs für die Kleinen, die Neun- bis Zwölfjährigen übernehmen wolle, als Tanzlehrerin. Wenig später  übernahm sie zusätzlich auch die Großen, die 13- bis 16-Jährigen. Für die Kids sind die Kurse kostenlos. Eigentlich sind es fast ausschließlich Mädchen, die kommen. Allzu fremd scheint es immer noch, dass ein Junge tanzen will. Doch vor zwei Jahren hat auch Dennis Streetdance ausprobiert und ist geblieben.

Die Musik beginnt wieder von vorn und endet bereits nach wenigen Takten. „Mädels, übertreibt mal ein bisschen, ihr müsst locker sein. Und auch ein wenig schauspielern, sonst nimmt euch das hier keiner ab.“ Im vergangenen November haben die Lil`Bouncers beim Dance Festival in der Arena den 1. und den 3. Platz von insgesamt 27 Tanzgruppen belegt. Samira ist bei allem der kreative Kopf. Ihre eigenen Choreographien für die Tanzstücke entstehen oft erst bei den Proben, entwickeln sich spontan aus der jeweiligen Situation heraus. Lil`Bouncers haben Auftritte beim Köpenicker Sommer und beim Kietzer Straßenfest. Nur auf dem Bölschefest reicht die Bühnenkapazität nie aus. Die Plätze dort sind immer längst schon vergeben.

Eine kurze Trinkpause zwischendurch ist gut. Etwas stickig ist es heute in diesem Raum. Doch dann geht es auch schon weiter. Und auch wieder nicht. „Ihr müsst euch konzentrieren. Konzentration ist die größte Sache beim Tanzen. Und der Oberkörper bleibt am Schluss schön oben, nicht wie sone Oma.“ Die Kids lernen hier, bewusst mit ihrem Körper umzugehen, ihn wahrzunehmen und auch den der anderen. Das Gefühl für Rhythmus und Takt wird geschult und nicht zuletzt das Selbstbewusstsein gestärkt.

Ab Oktober dieses Jahres fängt Samira ihr Studium an, Grundschulpädagogik. Die Kurse im Bölscheclub wird sie erstmal nebenher weiterführen. Alles andere wird sich zeigen und entwickeln, aus der jeweiligen Situation heraus. Eben wie beim Streetdance auch.

Jugendfreizeiteinrichtung Bölscheclub
Bölschestraße 65, 12587 Berlin – Friedrichshagen
Ansprechpartner: Thomas Gottschlich, Simone Witt
T. (030) 645 88 20, www.boelscheclub.de