Was passiert, wenn ein Experiment nicht so ausgeht, wie man es sich vorgestellt hat? Ist es ein gescheiterter Versuch oder kann man das auch Erfolg nennen, da das Ziel eines Experimentes ja ist, zu erfahren ob und wie etwas funktioniert, oder auch nicht.

Nachdem ich am zehnten Tag „aufgegeben“ habe, kamen unterschiedliche Reaktionen von unterschiedlichsten Menschen. Hauptsächlich kamen einige enttäusche Feedbacks, da die meisten wissen wollten, wie es sich mit ein Verzicht auf fast allen „Spaßmachern“ leben lässt. Viele fragten auch wieso ich aufgehört habe und haben sich mit mir über das generelle Scheitern unterhalten, „der Weg sei das Ziel“ meinten einige und haben damit gar nicht mal so unrecht. Natürlich gab es auch einige aus meinem engen Pleundeskreis die entweder meinten: „Haha, du Loser kannst nicht mal 31 Tage durchhalten.“ oder auch „Hab ich dir doch von Anfang an gesagt, dass das zu viel ist.“, aber die haben nur teilweise Recht.

Es ist nicht der Verzicht an sich, der mich aus der Bahn geworfen hat, sondern die gesellschaftlichen „Verpflichtungen“. In der Straight Edge Szene haben alle auf diese Sachen verzichtet und waren somit unter sich, niemand hat den Anderen inspiriert, Alkohol zu trinken oder eine Zigarette zu rauchen. Da ich aber, ganz im Gegenteil zur Straight Edge Szene, eigentlich fast nur Pleunde habe, die entweder jedes Wochenende mit Spirituosen ihre freie Zeit zelebrieren und/oder rund um die Uhr Laubblätter exotischer Nikotinpflanzen zu Rauch verwandeln, ist es eigentlich unmöglich diesem Druck zu entgehen. Erst recht, wenn man auf sechs Sachen zur gleichen Zeit anfängt zu verzichten.

Zu Hause ging es immer gut, da konnte ich mich auf meine Arbeit oder auf meine Bücher stürzen. Einige in meinem Bekanntenkreis waren auch sehr angenehm und unterstützend in dieser Zeit, aber sobald man mit mehreren Bekannten zusammen sitzt und diese gemütlich das eine oder andere kühle Blonde wegschlürfen, qualmen und Döner essen, fängt man an sich zu fragen „Warum mache ich das hier eigentlich?“. Klar, das Experiment habe ich ja freiwillig gemacht, aber es war nicht so, als würde ich danach nie wieder Alkohol trinken oder Fleisch essen, aber ich wusste, dass ich mir das hier jetzt antun muss. Doch letztlich bin ich eingeknickt, der künstliche gesellschaftliche Druck war einfach viel zu groß ohne eine Gruppe an Pleunden, die dass nicht auch durchziehen und sich gegenseitig unterstützen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, oder so … ;)

Was ich aber daraus auf jeden Fall gelernt habe ist, dass es sehr leckere Alternativen zum Fleisch gibt. Dies werde ich auch weiter pflegen, nicht den kompletten Verzicht auf Fleisch, aber auf jeden Fall eine drastische Reduzierung meines Fleischkonsums.


Marvin Borisch

Ein Beitrag von Marvin Borisch

Jahrelanger Frontend-Ninja und Webentwickler für elf62.net. Ich mache gerne verrückte Sachen und schreibe ab und an auch mal "Shorts" für das Maulbeerblatt. Zitat: "Is ejal, ick lass dit jetzt so."