Der Friedrichshagener Vertrag

alf

Es geschah im Jahr 2016. Die Erde war zu einer hässlichen Wüste verkommen. Der Müll stapelte sich, Luft und Meere waren vergiftet, Tierarten ausgerottet, Regenwälder abgeholzt. Kurz: Wir waren am Ende. Da landete ein UFO in … sagen wir … in Friedrichshagen. Regierungen und Armeen waren mit Kriegen um die letzten Ressourcen beschäftigt. Nur ein paar Neugierige kamen aus ihren Häusern und starrten mit offenen Mäulern auf das komische runde Ding. Eine Klappe ging auf, ein kleines grünes Männchen kam heraus, kletterte aufs Dach und sprach zu den Leuten: „Passt mal auf, ihr Arschlöcher! Das ist MEIN Planet. Ihr habt hier gehaust wie die Vandalen! Jetzt muss ich alles wieder aufräumen. Eigentlich sollte ich euch gleich alle mit entsorgen. Aber ich gebe euch noch eine Chance. Doch die Bedingungen sind hart und nicht verhandelbar.

Hier mein Angebot: Ich bringe alles wieder in Ordnung, und als Gegenleistung verpflichtet ihr euch, künftig nur noch das Notwendigste zu verbrauchen, euren Müll zu trennen, öfter mal das Fahrrad zu nehmen und euch weniger rasant zu vermehren. Verstanden?“

Einer der Zuhörer warf ein: „Meinst du mit UNS die gesamte Menschheit? Wir sind hier nur ein kleines Kaff und können nicht für den Rest der Welt bürgen.“ Der Außerirdische überlegte kurz.

„Ja, das leuchtet mir ein. Dann gebe ich euch eben eine Frist von 100 Jahren. Meine Säuberungsaktion wird der Menschheit ja nicht verborgen bleiben. Ihr könnt ihnen von unserem Deal erzählen und allen klarmachen, wie das jetzt läuft. Als Zeichen, dass ihr den Ernst der Lage begreift, muss fortan jeder Mensch ein Amulett mit einem UFO tragen und jeden Tag einmal ‘Danke für alles!’ in den Himmel rufen. Wenn ich wiederkomme, will ich eine genügsame, einsichtige Menschheit vorfinden, klar? Ansonsten seid ihr alle Sondermüll.„

„Und wenn sie nicht auf uns hören?“ „Nicht mein Problem. Setzt euch einfach durch! Wenn ihr das nicht in den Griff bekommt, seid ihr sowieso alle geliefert. Tschüss!“

Und weg war er. Da standen sie nun, die Wissenden. Und es kam, wie es kommen musste: Über die Ursachen der plötzlichen Erholung der Welt wurde viel spekuliert. Bald hatte sich die Theorie durchgesetzt, dass die Natur einfach über enorme Selbstheilungskräfte verfügt. Basta. Niemand wollte den Friedrichshagenern glauben. Ihre Erklärung schien einfach zu abgedreht.

Einige reisten nun unermüdlich um die Welt und hielten Vorträge. Aber es gab auch Hardliner, die vehement die Todesstrafe für Umweltsünder forderten und manchmal sogar praktizierten. Das war natürlich absolut kontraproduktiv und brachte sie selbst bei Greenpeace in Misskredit.

Die Amulette und das bescheuerte Gebet taten ihr übriges, und so war der „Friedrichshagener Vertrag“ in der öffentlichen Wahrnehmung bald nur noch eine von vielen Spinner-Sekten mit eindeutigem Gefahrenpotenzial. Fanatisch, nervig, unbelehrbar und absolut intolerant gegenüber allen anderen Religionen. Kurz: Idioten.


Alf Ator
Ein Beitrag von

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“


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