Traditionelle Thailändische Massage im Sebai

Es gibt Augenblicke im Leben, da geht mir auf seltsame Weise das Gefühl für Raum und Zeit verloren. Manchmal ist es ein Blick in die grünen Augen einer Katze, manchmal ist es der Wind auf der Haut, der Geruch nach Schmetterlingen, der große rote Mond. Keine Ahnung. Ein Gefühl, mit allem eins zu sein, groß zu sein, wagemutig, schön und lebendig: ganz bei sich. Ich liege auf einer Matte und war doch eben noch Teil der Straßen von Friedrichshagen. Durch die Luft schwebt traditionelle thailändische Musik, es riecht gut und mir ist, als sei ich schon öfter hier gewesen… Doch es ist das erste Mal, dass ich mir allen Vorurteilen zum Trotz eine Thai-Massage gefallen lasse. Die Masseurin setzt sich ruhig hinter mich. Eine kleine Weile passiert gar nichts. Nur Stille. Vielleicht bittet sie in Gedanken in einem Mantra den nordindischen Arzt Jivakar Kumar Bhaccha darum, dass er dem Gebenden Wissen und Einsicht in die Heilkünste gewähren und mir, dem Empfangenden, Gleichgewicht und Heilung bringen mag. In Thailand noch heute verehrt als „Vater der Medizin“, wird Jivakar Kumar Bhaccha die Urheberschaft der Traditionellen Thailändischen Massage zugeschrieben. Er lebte im 5. Jh. v. Chr., war der Leibarzt des indischen Magadha-Königs Bimbisara und behandelte auch Buddha und seine Mönchsgemeinde. Seine Lehren über die Massagekunst und die Heilkraft von Kräutern und Mineralien wanderten mit dem Buddhismus nach Thailand
und weiter bis hierher nach Friedrichshagen, ins Souterrain der Aßmannstraße 42. Unter dem Namen Sebai führt in der Nähe des Marktplatzes der Inhaber Lothar Mahn gemeinsam mit seiner Frau das Studio für Traditionelle Thailändische Massage. Hier liege ich nun und erfahre durch eine speziell ausgebildete, thailändische Masseurin „uralte heilsame Berührungen“, so die Bedeutung der thailändischen Bezeichnung Nuad Phaen Boran – Traditionelle Thailändische Massage. Basierend auf dem ayurvedischen System der 72.000 Energiepfade, die den Körper wie ein energetisches Netz durchziehen, werden zehn davon bearbeitet, mit sanften Dehnungen und dem rhythmischen Druck von Handballen, Daumen, Knien, Ellenbogen und Füßen. Und so lasse ich mich bewegen von unten nach oben, von hinten nach vorne und komme mir vor, als hätte ich mich erst gerade eben das erste Mal mit all meinen Körperteilen bekannt gemacht. Ich habe tatsächlich zwei Hände, eine links und eine rechts, mit Fingern, Gliedern und Kuppen. Ganz erstaunlich. Und obwohl so mancher Druck einen Schmerz provoziert, fange ich im Innern an zu lächeln, total entspannt, über 2500 Jahre meilenweit weg vom Hier und Jetzt. Auf einer Butterblumenweise im Mai, umgeben von funkelnden Sternen in einem schaukelnden Boot auf dem Meer, kopfüber, schweinebaumelnd am Ast eines Maulbeerbaums. Am Ende gibt es Jasmin-Tee und lächelnde Gesichter. Ein Mann kommt aus dem zweiten Massageraum. Er wirkt ein wenig erschöpft, doch entspannt und zufrieden. Seine Frau war auch schon hier. Er sagt: „Nun haben wir das schon gleich um die Ecke, dann gönnen wir uns das auch, und wenn es nur einmal im Monat ist.“ Draußen streicht der Wind über meine Haut, die Sonne wärmt. Und ich bin mit allem eins, bin groß, wagemutig, schön und lebendig: ganz bei mir.

Sebai–Traditionelle Thailändische Massage
Aßmannstraße 42, 12587 Berlin
Montag bis Samstag 10 -20.00 Uhr
T. 030 -650 76 573