layout_4Welcome to the roots

Es ist angenehm verraucht, als ich den Saal betrete. Die Atmosphäre erinnert mich an die Salons der frühen 50er Jahre, als der Rock’n’Roll noch in den Kinderschuhen steckte. Was wäre er schon gewesen, ohne die Größen, die ihn formten? Der Jazz lebt, nicht nur hier und heute. Er hat es schon immer. Auch in Deutschland. Entspannt setze ich mich an die Bar. Die Band spielt auf – die Tanzfläche füllt sich schnell. Die Jazzkids ziehen die zahlreichen Gäste mit ihrer Mischung aus Bossa, Funk, Latin und Blues gnadenlos in ihren Bann. In der Tat ist keiner der Musiker älter als Jahrgang 77, und doch stapelt der aus dem Russischen abgeleitete Name des Trios Jazziki bei weitem zu niedrig. Mit wie viel Inbrunst und Können die jungen Instrumentalathleten die Welt des Jazz verkörpern, lässt mich kurz erschaudern. Doch dann greift sofort die nächste Hook und zieht mich hinfort in die unendlichen Weiten…

der Musik. Das Bein zuckt, die Hüfte regt sich. Es muss getanzt werden. Vor allem junge Menschen, unabhängig von musikalischen Interessen und sozialer Herkunft, für den Jazz zu sensibilisieren ist für Sepp, Nils und Sascha Herzenswunsch. „Doch auch das Feedback der älteren Generationen spielt eine wichtige Rolle“,so Sepp (Bass, Cello). Schließlich will man vergleichende und aussagekräftige Reaktionen auf die neuen Arrangements und die Interpretationen der Klassiker. Dass alle Bandmitglieder aus verschiedenen

Richtungen kommen, lässt sich auf den ersten Blick nur noch erahnen. Da hat das Bandmanagement gewirkt. Am Repertoire erkennt man es aber ohne Frage. Ob es den Jungs gelingt, die Welt zu einem schöneren Ort zu machen (Nils), steht in den Sternen. Doch für den heutigen Abend – meinen heutigen Abend – haben sie es geschafft. Heere Ziele brauchen harte Bandagen. Und diese haben sich Sascha, Nils und Sepp in vielen Engagements, Projekten und Bands ohne Zweifel zugelegt. Für die Wünsche bezüglich einer gemeinsamen Session mit Feist, Zappa, Coltrane oder Jazziki Quicksand braucht es wohl aber dann doch etwas mehr. Kein Grund, den drei Haudegen mit dem sanften Gemüt und dem Blues im Blut nicht doch Unmengen Glück zu wünschen. Als ich den Saal verlasse und beschwingt zur Straßenbahn laufe, kommt mir die Welt unangenehm steril vor. Unwillkürlich sehne ich mich zurück nach Schneebesenschlagzeug und gezupftem Bass. Nach Steve Reich, Fräulein Menke, Coltrane und den Erben der Großen: Jazziki.

Termine: 01.05.08, NH-Hotel Treptow, 11. und 12.05.08, NH-Hotel Treptow, 14. 05.08, Duke Bar, Freiheit 15
Infos: www.myspace.com/jazziki
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Bei welcher erfolgreichen Formation spielte Drummer Sascha Bachmann?
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