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Das Kino Union kommt in diesem Monat ganz groß heraus: Am 18. Februar steigt die Eröffnungsparty für die zwei neu entstandenen Kinosäle. Bereits kurz davor wird auch noch der Glanz der Berlinale auf das Programmkino fallen. Es wurde ausgewählt für das Event „Berlinale goes Kiez“, bei dem zwei Filme aus dem Berlinale-Programm laufen.

Bei der Führung durch den Anbau mit den zwei neuen Kinosälen ist Inhaber Matthias Stütz ganz entspannt. Handwerker bringen an der neuen Bar im Foyer Leuchten an, aus dem „Neuen Saal“ dringen Klopf- und Bohrgeräusche, ein Zimmermann schraubt die letzten Sitze fest. Noch genau einen Monat, dann soll alles fertig sein. Die Stufen mit den Sitzreihen sind großzügig ausgelegt, 87 Gäste werden in diesem Saal Platz finden.

„Baubeginn war im April 2014, auf einer Grundfläche von 280 Quadratmetern sind zwei neue Kinosäle entstanden“, erzählt Matthias Stütz. Früher war hier noch Hof, jetzt steht hier ein Saal mit zwei Außenwänden, eine aus Ziegeln und eine aus Stahlbeton. „Die sind für den Lärmschutz notwendig gewesen“, erläutert er. 150.000 Euro habe diese Maßnahme verschlungen. Er schlägt mit der Hand an die Wand. „Zwei Meter dahinter schläft der Nachbar, da ist guter Schallschutz unerlässlich – denn Bass wird nur durch Masse gebremst, meinte auch der Bauakustiker.“

Der Kinoinhaber geht voran durch das Foyer, das sich jetzt um den Alten Saal herumzieht und steigt über eine Treppe nach oben. Zuerst zeigt er sein Büro, dessen großes neues Bogenfenster auf die Bölschestraße zeigt. Der Raum ist fertig, aber noch nicht aufgeräumt. Am Tag ist er sehr hell, durch das Oberlicht fallen Sonnenstrahlen – ein starker Kontrast zu den dunklen Kinosälen. Dann geht’s weiter in das mit 62 Plätzen kleinere Studiokino.

Es riecht noch nach frischer Farbe, ein Handwerker schraubt kleine Tischflächen an. Ansonsten hat man den Eindruck, als könnte gleich der Film anlaufen. Obwohl alles nagelneu ist, hat Matthias Stütz es geschafft, in beiden Kinos den Charme des Alten Saales nachzuempfinden: Bequeme, knallrote Sessel aus einem alten Filmhaus in Lübben sowie viel Beinfreiheit versprechen einen gemütlichen Kinoabend. Die Wanddeko besteht aus 2.000 Metern Holzlatten, die in regelmäßigem Abstand helle senkrechte Streifen vor schwarzem Hintergrund bilden. Man fühlt sich zurückversetzt in die 50er Jahre, als Kino noch etwas Besonderes war. Dafür ist die Technik mit der Möglichkeit zu 3D-Filmen und digitaler Projektion auf neuestem Stand. Im Neubau sind insgesamt 30 Kilometer Kabel verlegt worden.

„Mich begeistert, dass sich die Filmvielfalt verdreifacht“, sagt Matthias Stütz. „im Neuen Saal sind ausschließlich Premieren von Blockbustern geplant.“ Ähnliche Streifen wie der jüngste James Bond „Spectre“ oder „Star Wars VII“ werden Fans bald auch im Union-Kino sehen können. Das kleine Studiokino ist für Arthouse-Produktionen reserviert. „Schmuckstücke für Cineasten und ein intellektuelles Publikum“, so stellt sich Stütz das vor. Originalsprachige Filme – auf Französisch oder Englisch – die sich auch an internationale Gäste oder Schulklassen wenden, sollen hier ebenfalls auf die Leinwand kommen.

Und das Konzept für den „Alten Saal“ will Matthias Stütz nicht ändern: es war bisher sehr erfolgreich. Unter dem Titel „family & friends“ – wie er es selber nennt – spricht er ein breites Publikum mit anspruchsvollen Filmen an. Die Zahl der übrigen Veranstaltungen – diverse Partys, Lesereihen, Puppentheater, Polit-Diskussionen und Privatveranstaltungen – soll mit 110 im Jahr gleich bleiben. „Aber es gibt in Zukunft mehr Platz“, so Stütz.

Am 18. Februar steigt die Eröffnungsparty, bei der sich die Besucher alles genau ansehen können. „Es ist ein Tag der offenen Tür.“ Und kurz vorher läuft eine Vorpremiere der Berlinale in dem Kiezkino. Das genaue Datum und die Titel der beiden Filme waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Foto: Dietrich von Schell im Gespräch mit Matthias Stütz. Foto von Matthias Vorbau


Dietrich von Schell

Ein Beitrag von Dietrich von Schell

Sagt von sich selbst, dass er ein sonniges Gemüt hat. Seine journalistische Profession versteht er als Jäger- und Sammlertum: Fakten sammeln, für Geschichten auf die Jagd gehen. Zitat: (nach der Katastrophe) "Ist doch nischt passiert!"