Der Ingenieur Wolfgang Schädlich

Wie treue Maulbeerblattleser nur zu gut wissen, wurde 1954 mit dem Bau des Berliner Fernsehturms in den Müggelbergen begonnen. Etwa 200 m vom heute existierenden Sendemast entfernt, begann die Post einen Gebäudesockel zu setzen. Diese Bautätigkeit blieb jedoch nicht unbeobachtet. Sowjetische Piloten der späteren Interflug stellten fest, dass der Bau des Fernsehturms in der Einflugschneise nach Schönefeld liegt. Daraufhin mussten an diesem Ort die Bautätigkeiten eingestellt werden. Die Technik für den Vorfahren des Berliner Fernsehturms kam aus dem Funkwerk Köpenick. Bereits damals war Wolfgang Schädlich als Konstrukteur an diesem Vorhaben beteiligt – ebenso an der Funktechnik, die später an dem 1969 tatsächlich in Betrieb genommenen Berliner Wahrzeichen den Fernseh- und Radioempfang im gesamten Berliner Empfangsgebiet ermöglichte.

Durch die geschichtlichen Ereignisse waren dem 1931 Geborenen Leistungen dieser Art nicht in die Wiege gelegt. Seine Schulzeit war stark verkürzt. Er besuchte nur 7,5 Jahre Jahre eine reguläre Schule und machte 1948 eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. Parallel dazu bildete er sich jedoch als Rundfunkmechaniker fort und besuchte ab 1949 die Karl- Marx-Städter Ingeneurschule, an der er 1953 seinen Abschluss machte. 1962 qualifizierte er sich per Fernstudium zum Diplomingenieur.

Ab 1969 änderte sich sein Aufgabengebiet und fortan widmete er sich der UKW Funktechnik – genauer gesagt dem NÖBL (Nichtöffentlicher beweglicher Landfunk). Dieser fand vor allem bei der Volkspolizei, Deutschen Reichsbahn, im Rettungswesen, Dispatcher- und Taxibtrieb und in der Landwirtschaft Anwendung.

Diese Technik wurde auch noch lange nach der Wende von der Bahn im Beitrittsgebiet genutzt, da sie sehr robust und störunanfällig war. Die Technik ließ Schädlich auch nach dem Renteneintritt nie richtig los. Mit der Anschaffung einer Spur H0 Modelleisenbahn erfüllte er sich einen Kindheitstraum auf einer eigens ausgetüftelten 2,30 m langen Klappkonsruktion.


Matthias Vorbau

Ein Beitrag von Matthias Vorbau

Matthias Vorbau nennt sich Chefredakteur des Maulbeerblattes. Eigentlich ist er Kommunikationsdesigner mit Diplom. Zitat: "Das Leben zwingt einen zu zahlreichen freiwilligen Entscheidungen."