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Krieg ist eine furchtbare Sache. Keine Frage! Dennoch gab und gibt es immer wieder Menschen, die durch Kriege profitieren. Klar, weiß doch jeder. ABER: Ich hätte nie gedacht, dass ich selbst mal zu diesen zynischen Arschlöchern gehören würde, die daraus Vorteile ziehen können. Beginnen wir anders:

Ich habe das schönste Atelier der Welt. Es ist 100qm groß, besteht fast nur aus Fenstern, und ich habe einen grandiosen Blick auf das Wasser der Dahme. Und es kostet – im Vergleich zu anderen Immobilien mit solchen Qualitäten – n Appel und n Ei. Okay, es gibt keine Heizung. Aber der Kamin, den ich zum Ausgleich einbauen ließ, macht es eigentlich noch genialer. Ein Sportverein mietete vor zehn Jahren einen alten Industrieplattenbau, und weil ich den Boss kenne, stellte er mir den ehemaligen Lüftungsraum zur Verfügung. Mittlerweile habe ich Bad und Küche eingebaut – und eine schicke Dachterrasse. Ich male dort, ich komponiere, und meine Partys sind legendär. Anfangs gehörte das Objekt samt Wassergrundstück (!) der Treuhand. Es war wegen kontaminiertem Boden schwer verkaufbar. Trotzdem wanderte es über die Jahre von Spekulantenhand zu Spekulantenhand, bis vor ein paar Monaten jemand so dermaßen viel Schotter dafür hinblätterte, dass die Entsorgungskosten des Gebäudes und der oberen Erdschichten als Sondermüll nicht mehr ins Gewicht fallen. Fazit: In einem Jahr muss der Verein raus, und ich natürlich auch. Hey, ich bin kein Jammertyp. Mir war immer klar, dass das nicht ewig so bleiben wird. Ich werde was Neues finden. Etwas kleiner, etwas teurer, bestimmt nicht mit Blick auf’s Wasser, aber das Leben geht weiter. SCHEIßE, MANN! JA, ES KOTZT MICH AN!

Aber: Es gibt noch eine Chance für mich: Wer zur Zeit aufmerksam die Nachrichten schaut, wird mitbekommen haben, dass ein Krieg in Europa so greifbar ist, wie schon sehr lange nicht mehr. Wenn tatsächlich unser schönes Berlin erneut zum Schlachtfeld werden sollte, ist es aus mit dem dekadenten Hauptstadtgehabe. Wer die Chance hat, wird rechtzeitig aus Deutschland fliehen, und niemand wird so bescheuert sein, für eine Eigentumswohnung in dieser Lage noch Millionen hinzublättern.

Ergo: Der Spekulant wird sich den teuren Abriss sparen und froh sein, dass ein Sportverein und ein doofer Künstler weiterhin Miete zahlen. Darum meine Botschaft an unsere Regierungen: Lasst euch nichts gefallen! Zeigt dem Rest der Welt, wo der Hammer hängt! Die Zeit der Gespräche ist vorbei! Jetzt wird zurückgeschossen!


Alf Ator

Ein Beitrag von Alf Ator

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“