Kinder sind laut, nerven und machen eine Menge Dreck. Sie schränken unsere Unabhängigkeit ein, machen einen Haufen Arbeit und sind teuer. Wer einmal versucht hat, mit einer fünfköpfigen Familie Urlaub zu machen, ohne sich sein Essen selbst zu kochen, im Zelt zu leben und Gemeinschaftstoiletten zu benutzen, weiß wovon ich rede. Dennoch werden täglich Kinder geboren und das, in der Mehrzahl der Fälle, weniger aus Versehen. Warum ist das so? Warum sind die kleinen Bälger für viele Menschen das Größte? Wollen sie die ganze Wahrheit? Hier ist sie: Kinder sind nicht mehr und nicht weniger als der ultimative Beitrag, den Sie zu dieser Welt leisten können! Kinder sind die Zukunft und ihre Erziehung ist eine der größten Möglichkeiten, für jeden Einzelnen von uns, einen wirklichen Unterschied zu machen! Kinder sind in der Regel (Ausnahmen mögen dies bestätigen) unsere größten Lehrer und haben die angeborene und unbedingte Kapazität uns aufzuwecken! „Aufwecken?“ mögen Sie fragen, „aber ich bin doch schon wach, les’ gerade Maulbeerblatt.“ Mitnichten, werter Leser: Was wir „wach“ nennen, ist bestenfalls eine halbbewusster Zustand. Tatsächlich wird unser Alltag zu 80 Prozent von unserem Unterbewusstsein gesteuert. Denken, atmen, laufen, Auto fahren – sogar essen und viele unserer liebsten Vergnügungen verrichten wir meist wie in Hypnose. Wenn wir in diesem Zustand versuchen würden, Kinder zu erziehen, käme da selten Gutes bei raus. Unsere eigenen psychischen Kindheitsschrammen sind nicht zuletzt auch das Resultat der Tatsache, dass Eltern (auch die unseren) eben nicht immer in vollem Bewusstsein ihrer selbst handeln. Unsere Alltagsmechanismen, sonst ja oft sinnvoll und nützlich, laufen gegenüber unseren Kindern oft ins Leere oder greifen zu kurz. Denn Kinder sind u.a. hellwach, unendlich kreativ und vollkommen kontextsensitiv (d.h. sie reagieren unmittelbar auf Zustände ihrer Umgebung, vor allem auf die ihrer Eltern). Zudem schneidet die Unschuld ihrer Liebe durch all die Lagen unserer täglichen Egospielchen und trifft uns mitten ins Herz. Ihre Präsenz lädt uns ein, ebendiese Qualitäten in unserem Leben zu manifestieren: Bewusstheit, innere Haltung und Kreativität sind da ein guter Anfang. In meiner jahrelangen Arbeit mit Familien hat sich Folgendes immer wieder bestätigt: Wenn Eltern sich verändern, verändern sich Kinder sofort. Oft sagt „auffälliges“ Verhalten unserer Kids nämlich mehr über uns und die Art und Weise aus, wie wir mit ihnen umgehen und kommunizieren, als über die Kinder selbst. Spätestens hier begegnen wir unseren eigenen Kindheitserfahrungen und Kinder werden zu Spiegeln, in den wir uns nicht selten selbst wiedererkennen. Doch genau an diesem Punkt können wir als Eltern den entscheidenden Unterschied machen: Der Schlüssel für das Glück unserer Kinder liegt in uns! So sah ich vollkommen verzweifelte Eltern im Angesicht der drohenden Fremdunterbringung ihrer Kinder Dämonen wie Drogen- und Alkoholsucht besiegen, mehrgenerationale dysfunktionale Familienmuster durchbrechen und ihre eigenen Lebensentwürfe hin zu mehr Selbstliebe und Verantwortung verändern. Auf die Frage, was sie dazu bewogen habe, ihr Leben und sich selbst teilweise radikal zu verändern, antworten die meisten: „Mein(e) Kind(er)!“ Denn diese geben uns immer wieder eine Chance. Doch es ist vor allem an uns Eltern, uns selbst eine zu geben. Also nicht vergessen: „The kids are allright!“