Svenja Hagen ist unumstritten eine sehr interessante Frau. Mit ihrer langen, dicken Lockenmähne, ihrem strahlenden Gesicht und ihrem geblümten Kleid wirkt sie romantisch, warmherzig und fast ein bisschen kindlich. Im gleichen Atemzug strahlt sie aber auch eine gewisse Art von Stolz und Selbstsicherheit aus, die nur Frauen besitzen, die wissen, was sie wollen. Vor ein paar Jahren designte die zweifache Mutter ihre erste Kinderkollektion. Kurz darauf hatte Svenja Hagen eine Vision: Sie wollte einen Laden eröffnen, in den die Frauen herein kommen und sagen: „Mein Gott, ist das schön hier.“ Und das ist der 39-Jährigen Schnittgestalterin auch gelungen. Im Jahr 2005 eröffnete sie ihren ersten „Brenøe“ Laden in Kreuzberg und seit Februar 2007 haben auch die Friedrichshagener die Chance, sich von der skandinavischen Mode ein Bild zu machen. Svenja wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Kreuzberg. Letzte Woche traf ich die gebürtige Hamburgerin im Brenøe-Geschäft in Friedrichshagen und fragte sie ein bisschen aus.

Die Kleidung, die Du in Deinem Laden Brenøe verkaufst, stammt größtenteils vom skandinavischen Label Noa Noa. Diese Mode verkörpert einen ganz bestimmten Stil. Was bedeutet für Dich Stil und wie würdest Du Deinen eigenen beschreiben?

Stil bedeutet für mich, dass man gefunden hat, was zu einem passt. Das heißt, dass sowohl die Farbauswahl als auch der Schnitt die eigene Persönlichkeit und Figur widergespiegeln. Eine Bänkerin würde zum Beispiel wahrscheinlich niemals Sachen von Noa Noa tragen, weil der Stil dieser Mode und ihre Persönlichkeit einfach zu unterschiedlich sind. Mein eigener Stil ist eher romantisch und gefühlsmäßig. Ich mag es ein bisschen ethnomäßig angehaucht – allerdings nicht zu viel. Ich möchte nicht in die „Öko- Schiene“ gesteckt werden – diesen Look finde ich ganz schrecklich.

Welche Rolle spielen für Dich Trends?

Für Mode habe ich mich schon immer interessiert. Allerdings sind mir Trends völlig egal. Ich kaufe mir so gut wie nie Modezeitungen, weil mich diese schnelllebigen Trends einfach nicht interessieren. Ich selber bin noch nie diesen Trends gefolgt, naja vielleicht als ich 15/16 Jahre alt war, aber dann habe ich sehr schnell meinen eigenen Stil gefunden. Noa Noa trifft genau diesen Stil.

Vor einigen Jahren hast Du Deine erste eigene Kinderkollektion fertiggestellt. Wovon hast Du Dich inspirieren lassen?

Na klar habe ich mir vorher die Kindermodezeitschriften angeschaut. Doch die allermeisten Sachen fand ich einfach nur langweilig und fade. Ich frage mich dann immer: Wer kauft solche Sachen? Bevor man eine eigene Kollektion entwirft, würden die meisten wahrscheinlich eine Trendforschung machen. Das kommt für mich nicht in Frage. Ich bin damals zum Großhändler gefahren, habe mir die Stoffe angeschaut und mich davon inspirieren lassen. Erst später habe ich dann das Label Noa Noa entdeckt und festgestellt, dass diese Mode meinen Vorstellungen sehr ähnlich ist.

Erzähle mir mehr von Deiner „Vision“!

Ich wollte einen Laden eröffnen, der anders ist. Er sollte so sein, wie ich ihn mir selber immer gewünscht habe, aber nirgends finden konnte. Es war mir besonders wichtig, dass die Frauen in meinen Laden kommen und sich sofort wohl fühlen. Vergleichen kann man das vielleicht eher mit einem Wohnzimmer und nicht mit einem klassischen Geschäft. Ich möchte mit den Kundinnen eine familiäre Atmosphäre schaffen, in der es auch um ein Miteinander geht.

Welches „Lebensgefühl“ steckt hinter der Mode, die Du verkaufst, und was macht sie zu etwas Besonderem?

Die Skandinavier haben einen völlig anderen Stil. Die Sachen haben etwas sehr Liebevolles. Ihre Mode kann man auch als eine Art Rückbesinnung verstehen. Dies drückt sich in einer Art „Oma-Stil“ aus, bei dem Handarbeiten wie zum Beispiel Handgestricktes und Handbesticktes eine große Rolle spielen. Die Sachen wirken in sich langsamer und definieren sich nicht durch schnelllebige Trends. Sie haben ihren eigenen Stil, bei dem sich Trends eher im Hintergrund zeigen, zum Beispiel durch die farbliche Gestaltung. Das Besondere dieser Mode zeigt sich durch viel Liebe zum Detail. Fast jedes Kleidungsstück besitzt etwas Handgefertigtes. Die Mode kann man sehr gut kombinieren und auch mit vorherigen Kollektionen mischen.

Was hat Dich dazu bewogen, Deinen zweiten Laden in Friedrichshagen zu eröffnen?

Wir haben hier ganz in der Nähe einen Garten. Irgendwann fuhren wir mit dem Fahrrad die Bölschestraße entlang. Da war ich ganz begeistert von dieser Straße mit den süßen, kleinen Häusern. Von meiner Schwiegermutter hatte ich erfahren, dass es in Friedrichshagen eine ausgeprägte Dichter- und Intellektuellenszene gibt. Durch meinen Laden in Kreuzberg wusste ich, dass sich vor allem Frauen aus einer ganz bestimmten Bevölkerungsschicht für meine Mode interessieren. Außerdem ist Friedrichshagen für seinen hohen Familienanteil bekannt. Dies waren alles Gründe es hier zu versuchen.

Konntest Du bei den Friedrichhagenern eine gewisse „Kleiderordnung“ feststellen? Gibt es Unterschiede zu den Kundinnen in Kreuzberg?

Die Friedrichhagenerinnen tragen sehr praktische Sachen und haben noch eher die Frage im Kopf, ob man „so rumlaufen“ kann. Mir ist auch aufgefallen, dass sich die Leute nach einem ganz bestimmten Dresscode kleiden. In Kreuzberg gibt es so etwas nicht. Natürlich hat Kreuzberg auch eine ganz andere Geschichte als Friedrichshagen – womit das vielleicht zusammenhängt. Im Großen und Ganzen ziehen meine Läden in beiden Bezirken aber einen ähnlichen Kundenstamm an. Die Kreuzberger sind im Durchschnitt ein wenig jünger und kaufen spontaner. Die Frauen aus Friedrichshagen überlegen länger und kaufen meist erst beim zweiten oder dritten Besuch.

Hast Du zum Schluss vielleicht einen Wunsch an die Friedrichshagener?

Ja. Die Hemmschwelle, sich von mir beraten zu lassen, ist oft sehr hoch. Frauen, die sich dann aber doch trauen und sich auf eine Beratung einlassen, sind oft sehr begeistert.